21.04.2017  Umstrittenes TecDax-Schwergewicht

Wirecard und die 1000 englischen Briefkastenfirmen

Von Heinz-Roger Dohms
Seltener Auftritt in der Öffentlichkeit: Wirecard-Vorstandschef Markus Braun, hier auf der DLD-Konferenz im Januar 2017.
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Seltener Auftritt in der Öffentlichkeit: Wirecard-Vorstandschef Markus Braun, hier auf der DLD-Konferenz im Januar 2017.

2. Teil: Welche Rolle spielen Wirecard-Mitarbeiter?

Was allerdings damals niemand ahnen konnte und auch jetzt in dem "Reuters"-Artikel nicht erwähnt wird: Laut britischem Unternehmensregister gibt es eine unbestreitbare Verbindung eines ehemaligen Wirecard-Mitarbeiters und einer mutmaßlich aktuellen Wirecard-Managerin zur Brinken Merchant Incorporations (BMI) - also ausgerechnet zu jener Firma, die nicht nur hinter Bluetool stand, sondern laut "Reuters" den Mittelpunkt des gesamten Netzwerks obskurer Briefkastenfirmen bildete.

So war der frühere Wirecard-Beschäftigte Patrick M. von 2007 bis 2009 Brinken-Gesellschafter. Nach Informationen von manager-magazin.de soll er bei Wirecard allerdings schon 2008 ausgeschieden sein. Wirecard will sich zu den Gründen nicht äußern.

Sehr viel aktueller ist allerdings die andere Personalie: Denn von 2008 bis 2015 war die langjährige Wirecard-Managerin Brigitte A. an BMI beteiligt. Laut ihrem mutmaßlichen Linkedin-Profil firmiert sie bei Wirecard seit 2010 und bis heute als "Executive Vice President" im Vertrieb. der Verkaufs-Abteilung; zuvor war sie demnach "Head of Sales". Ganz offensichtlich eine wichtige Position bei Wirecard: Im Geschäftsbericht von 2014 stellt der Konzern A. nebst einem weiteren Manager in einem mehrseitigen Interview seinen Aktionären vor.

Warum war so eine herausgehobene Mitarbeiterin jahrelang Gesellschafterin bei einem britischen Schmuddelunternehmen, dessen Geschäftsmodell sich so liest, als wäre es nicht zuletzt darum gegangen, Kreditkartenfirmen in die Irre zu führen? Zumal Wirecard als Zahlungsdienstleister aufs Engste und Vertrauensvollste mit Kreditkartenfirmen wie Visa oder Mastercard zusammenarbeitet? Sollte das eine das andere nicht ausschließen?

Zwar gibt es keine Hinweise auf eine direkte Verbindung zwischen Wirecard und der Brinken Merchant Incorporations. Und: Natürlich kann es - je nach internem Regelwerk - jedem Beschäftigten unbenommen sein, sich privat an anderen Unternehmen zu beteiligen, ohne dass der eigene Arbeitgeber davon irgendetwas wissen muss.

Der Fall wirft dennoch Fragen auf. Zum Beispiel, ob die Wirecard-Vorstände von der Gesellschaftertätigkeit ihrer Mitarbeiter wussten. Und wie das Unternehmen die in dem "Reuters"-Artikel beschriebenen Geschäfte der Brinken bewertet.

Einen entsprechenden Fragenkatalog von manager-magazin.de wollte Wirecard nicht beantworten. Brigitte A. und Patrick M. reagierten auf eine Bitte um ein Gespräch nicht, eine Vermittlung lehnte Wirecard ab.

Über mehr Transparenz und Erklär-Ehrgeiz bei einem gefeierten Börsenstar mit einer Marktkapitalisierung von sechs Milliarden Euro hätte sich sicherlich niemand beschwert.

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