18.04.2017  Ex-Siemens-Chef tritt von CEO-Posten bei Arconic zurück

Hedgefonds Elliott erhebt schwere Vorwürfe gegen Klaus Kleinfeld

Klaus Kleinfeld: Der Ex-Siemens-Chef leitete jahrelang Alcoa und nach dessen Aufspaltung Arconic. Nun muss er gehen
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Klaus Kleinfeld: Der Ex-Siemens-Chef leitete jahrelang Alcoa und nach dessen Aufspaltung Arconic. Nun muss er gehen

Der ehemalige Siemens-Chef Klaus Kleinfeld hat auf Druck von Großaktionären seinen Posten als Vorstandsvorsitzender des US-Metallkonzerns Arconic aufgegeben. Kleinfeld sei "im gegenseitigen Einvernehmen" zurückgetreten, nachdem er ohne Rücksprache mit dem Führungsgremium einen Brief an den Hedgefonds Elliott geschrieben habe, teilte Arconic mit. Kleinfeld habe hier ein "schlechtes Urteilsvermögen" gezeigt.

Der Hedgefonds Elliott, der seit Monaten einen Umbau in den Führungsgremien von Arconic fordert, legte mit schweren Vorwürfen gegen Kleinfeld nach. Kleinfeld habe einen Brief an Elliott geschrieben, in dem er ein Mitglied des Elliott-Topmanagements bedroht habe, berichtet das "Wall Street Journal" (kostenpflichtig). Hintergrund dieser Drohungen seien "komplett falsche Anschuldigungen" gewesen, heißt es. Elliott habe diese Drohungen "sehr ernst genommen" und daraufhin "auf privater Ebene" das Arconic-Board informiert. Kleinfeld war am Ostermontag zurückgetreten. Das Unternehmen, das aus der Aufspaltung des acht Jahre von Kleinfeld geleiteten Aluminiumkonzerns Alcoa hervorgegangen ist, wird vorerst von Board-Mitglied David Hess geführt.

Auch nach dem Rückzug von Kleinfeld will Elliott weiter Druck auf das Arconic-Topmanagement ausüben. Die Tatsache, dass die aktuelle Arconic-Führung den Kurs von Kleinfeld unterstützt habe, sei Anlass genug, auf eine Neubesetzung des Boards zu drängen. Kleinfelds Strategie - der Umbau Alcoas und die anschließende Zerschlagung des Aluminiumriesen in Alcoa und Arconic - habe sich für die Aktionäre nicht ausgezahlt. Seit dem Amtsantritt Kleinfelds im Mai 2008 sei der Wert der Alcoa-Aktie um 70 Prozent gefallen - allerdings erlebte die Aluminiumbranche in den vergangenen Jahren auch eine schwere Krise. Das Arconic-Management hält dagegen, dass seit dem Tief im Frühjahr 2009 der Börsenwert von Alcoa um rund 8 Milliarden Dollar zugelegt habe und die Aufspaltung die richtige Strategie gewesen sei.

Kleinfeld verweist in Abschieds-Mail auf eigene Erfolge

Auch Kleinfeld verweist in seiner Abschieds-Mail auf Erfolge seiner Amtszeit. Es sei eine "Ehre und ein Privileg" gewesen, für fast neun Jahre für Alcoa und Arconic tätig gewesen zu sein, schrieb Kleinfeld in seinem Brief an die Belegschaft. Er lobte insbesondere die "hervorragende Teamarbeit" während dieser Zeit. "Niemand ist perfekt, aber ein Team kann perfekt sein", so Kleinfeld. Er verwies darauf, Alcoa erfolgreich durch eine der schlimmsten Rezessionen der Branchengeschichte gesteuert zu haben. Anschließend sei mit der Aufspaltung in Alcoa und den Spezialitäten-Anbieter Arconic eine erfolgreiche Transformation gelungen.

Arconic-Aktie legt zu

Die Aktionäre von Arconic reagierten zu Wochenbeginn erfreut auf den Chefwechsel: Der Aktienkurs legte am Ostermontag zeitweise um knapp zehn Prozent auf 28,44 Dollar zu.

Arconic hat sich auf hochwertige Aluminium- und Titanlegierungen für den Fahrzeug- und Flugzeugbau sowie die Bauindustrie spezialisiert. Ende 2016 schrieb der Konzern einen Milliardenverlust. Kleinfeld setzte auf Einsparungen, um die Gewinnmargen zu verbessern. Die größten Aktionäre wollten ihn aber loswerden, da sie unzufrieden mit der Geschäftsentwicklung waren.

Besonders der als sehr umtriebig geltende Hedgefonds Elliott machte Front gegen Kleinfeld. Er angelte sich mit Larry Lawson den früheren Chef des Flugzeug-Zulieferers Spirit AeroSystems als Berater und will ihn als Nachfolger von Kleinfeld durchsetzen. Letzterer war 20 Jahre lang für den deutschen Siemens-Konzern tätig, dessen Vorstandsvorsitzender er von 2005 bis 2007 war.

la/reuters/dpa

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