05.04.2017  ARAG-Chef soll Schwester Millionen zahlen

34 Jahre Streit ums ARAG-Erbe - und kein Ende in Sicht

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Paul-Otto Faßbender (Bild Archiv) leitet seit 2000 den Versicherungskonzern ARAG. Auch nach dem Urteil wird der Jahrzehnte währende Erbstreit mit seiner Schwester weitergehen
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Paul-Otto Faßbender (Bild Archiv) leitet seit 2000 den Versicherungskonzern ARAG. Auch nach dem Urteil wird der Jahrzehnte währende Erbstreit mit seiner Schwester weitergehen

34 Jahre stritten die Geschwister Paul-Otto und Petra Faßbender ums Erbe. Jetzt hat das Landgericht Düsseldorf in einem der längsten Prozesse der deutschen Justizgeschichte ein Urteil gesprochen. Paul-Otto, Chef des Versicherers ARAG, muss seiner Schwester rund 3,5 Millionen Euro zahlen.

Wenn es dabei bleibt, käme der 70-Jährige vergleichsweise günstig davon. Hatte er in dem Nerven aufreibenden Familienstreit seiner Schwester doch bereits zehn Millionen Euro als Vergleich angeboten. Doch darauf hätte die vier Jahre jüngere Krankenhaus-Unternehmerin erheblich Steuern zahlen müssen, sie lehnte ab. "Ich lasse mich nicht mit Almosen abspeisen", zitiert die "Bunte" die Betriebswirtin und Mutter von drei adoptierten Kindern.

Eine Fortsetzung des Streits ist auch nach dem Urteil sehr wahrscheinlich. Zum einen hatte die Schwester ein Vielfaches der jetzt festgesetzten Summe gefordert und zum anderen schon vor der Entscheidung signalisiert, in Berufung gehen zu wollen. So kam es am Mittwoch auch: Die Anwälte von Petra Faßbender kündigten nach dem Urteil Berufung an. Die Richter am Oberlandesgericht Düsseldorf müssen sich nun in den Fall einarbeiten.

Streitpunkt in dem 34 Jahre währenden Prozess ist das Testament des Vaters der beiden von 1965. Der hatte vor seinem Tod 1972 verfügt, dass seine Anteile am Düsseldorfer Versicherungskonzern in einer Hand bleiben und seinem Sohn vermacht werden sollen. Die Schwester sollte eine Abfindung bekommen. Über deren Höhe und offenbar über einen Zusatz zum Testament entbrannte der Streit.

15 Millionen hatte Petra Faßbender aus dem Erbe gefordert. Zwischenzeitlich war man angeblich einer gütlichen Einigung sehr nahe. Doch dann verstarb der Rechtsanwalt, der den Vergleich ausgehandelt hatte und der Kampf ging weiter.

Streit zwischen Geschwistern droht auch um das Testament der Mutter

Knackpunkt bei der Bemessung des Ausgleichs für die Schwester war und ist die Frage, wie viel die Konzernanteile zum Zeitpunkt des Todes des Vaters wert waren. Der vom Gericht beauftragte Sachverständige Karl-Heinz Flaig hatte als Bemessungsgrundlage dafür die Eigenkapitalrendite genannt. Doch über die ARAG-Unternehmenskennzahlen aus dem Jahr 1972 lässt sich offenbar trefflich streiten.

Gutachten kamen im Prozessverlauf zu höchst unterschiedlichen Bewertungen des Unternehmens und somit auch zu extrem abweichenden Abfindungszahlungen für die Schwester. Manche meinten, der Schwester stünden 5 Millionen Euro zu, andere kamen auf 22 Millionen Euro.

Der Streit zwischen den Geschwistern ums Erbe wird wohl noch aus einem anderen Grund weitergehen. Im September 2015 war die Mutter der beiden gestorben. Auch sie hatte ein Testament hinterlassen, das ihre Anteile an dem Versicherungskonzern beiden Kindern zuspricht. Petra aber ficht auch dieses Testament an. Die Klage ist laut "Bunte" bereits eingereicht.

Paul-Otto-Faßbender hatte bereits vor Monaten erklärt, er wolle eigentlich nicht die "nächsten 30 Jahre weiter prozessieren". Doch im Streit ums Erbe und die Macht hat der Mann, der mit dem Testament seiner Eltern auch die unternehmerische Führung auf sich übertragen sieht, schon früher Ausdauer bewiesen: 25 Jahre lag er mit seinem Vetter Ludwig überkreuz. Dann entschied der Bundesgerichtshof, dass Paul-Otto Faßbender seinem Cousin den 50 Prozent-Anteil abkaufen dürfe.

mit dpa

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