16.02.2017  Deutscher Firmenboss Richenhagen über Sex unter Kollegen

"Dann muss einer gehen"

Von
Martin Richenhagen
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Martin Richenhagen

Martin Richenhagen, deutscher Chef des Landmaschinenkonzerns Agco, über Sex und weitere Berufs-Beziehungen in den USA.

Immer noch missbrauchen Vorgesetzte in Deutschland ihre Macht für sexuelle Übergriffe. Doch sie leben damit gefährlicher denn je, wie das manager magazin in seiner Titelgeschichte der März-Ausgabe "Sex, Drugs & CEO" beschreibt. Im Interview erklärt Martin Richenhagen, 64 Jahre alt und seit 2004 Chef des Landmaschinenhersteller Agco, zu dem unter anderem Fendt gehört, wie das sittenstrenge Amerika das berufliche Verhältnis der Geschlechter regelt.

manager-magazin.de: Herr Richenhagen, darf sich ein Mann bei Ihnen einen Playboy-Kalender in den Spind hängen?

Martin Richenhagen: Das ist in keinem US-Konzern erlaubt.

mm.de: Und wenn es doch jemand tut?

Richenhagen: Wir würden dem Mann sagen, entweder Du hängst den Kalender ab - oder wir hängen Dich ab.

mm.de: Schon ein zu intensiver Augenkontakt kann in den USA als sexuelle Belästigung ausgelegt werden. Warum so prüde?

Martin Richenhagen

Richenhagen: Wenn man einer Frau bewusst in den Ausschnitt schaut, kann das zu Ärger führen. Und es kommt auch nicht jede als Kompliment verpackte Anmache gut an - zumindest sehen das meine Frau und meine Tochter so. Mit Prüderie hat das nichts zu tun.

mm.de: Finden Sie es normal, dass Männer sich nicht mal mehr allein mit einer Frau in den Aufzug trauen, aus Angst diffamiert zu werden?

Richenhagen: Das ist ein Gerücht. Keiner scheut sich, mit einer Frau in den Aufzug zu steigen, auch ich nicht. Allerdings weiß ich, dass der frühere französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy dem von seiner Libido gesteuerten Dominique Strauss-Kahn mal so einen Tipp gegeben hat.

mm.de: Die Amerikaner pochen auf Tugend und Anstand, zugleich werden immer wieder Fälle von sexueller Nötigung publik, wie jüngst beim TV-Sender Fox News. So was nennt man Doppelmoral.

Richenhagen: Dieser Begriff ist nicht angebracht. Es ist wie in der Kirche: Da gelten die zehn Gebote, trotzdem halten sich manche Leute nicht daran. Es gibt immer Menschen, die Fehler machen. Insgesamt sind amerikanische Männer aber eher zurückhaltend.

mm.de: Präsident Trump rühmt sich, er könne jeder Frau an die Pussy greifen. Klingt eher zupackend.

Richenhagen: Herr Trump hat ein anderes Frauenbild als die meisten Amerikaner. Ich arbeite seit 2004 für Agco, in der Zeit habe ich nie von sexuellen Belästigungen unter unseren rund 20 000 Mitarbeitern gehört.

mm.de: Heißt aber nicht, dass nichts passiert ist.

Richenhagen: Jedenfalls hat sich niemand bei der Firmenleitung beschwert. Natürlich bandeln Vorgesetzte schon mal mit Untergebenen an, was in US-Firmen unzulässig ist. Dann muss einer von beiden das Unternehmen verlassen.

mm.de: Und wenn die zwei heiraten?

Richenhagen: Auch dann muss einer gehen.

mm.de: Was sollten deutsche Geschäftsreisenden in Amerika beachten?

Richenhagen: Amerika ist strenger als Deutschland. Wir haben weder FKK-Strände noch Porno-Kinos. Prostitution ist fast überall verboten, und man geht auch nicht nackt in die Sauna. Wer vorsichtig ist mit schlüpfrigen Witzen und an der Bar nicht zu intensiv flirtet, hat nichts zu befürchten.

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