24.01.2017  Airport Berlin Tegel - billig und unkaputtbar

Schaut auf diesen Flughafen!

Von

"Die Macht des Verstandes, o, wend' sie nur an, […] Sie wird auch im Fluge Dich tragen!" Otto Lilienthal (deutscher Luftfahrtpionier, 1848-1896).

---

Im Grunde dürfte es den Flughafen Berlin-Tegel gar nicht mehr geben. Um fast fünf Jahre hat der Airport seine vorgesehene Laufzeit schon überschritten - da grenzt es an ein Wunder, dass das Bauwerk samt dem prägenden sechseckigen Terminal noch nicht in sich zusammengefallen ist.

Zumal die Passagierzahlen stetig weiter wachsen, zuletzt um 1,2 Prozent auf 21,3 Millionen. Ausgelegt ist der Flughafen "Otto Lilienthal" allerdings nur auf 11,5 Millionen Fluggäste. So wenige wurden zuletzt 2002 abgefertigt.

Berlin ist als Reiseziel eben angesagt und leidet nach wie vor darunter, dass der neue Flughafen Berlin-Brandenburg (BER) einfach nicht fertig werden will. So tragen Tegel und der alte Schönefelder Flughafen die wachsende Last.

Vieles in Tegel sei störanfällig und müsse permanent repariert werden, sagte ein Lufthansa-Sprecher dem Berliner "Tagesspiegel", doch der Flughafen tut seinen Dienst. Allerdings musste die Betreibergesellschaft seit 2012 etwa 40 Millionen Euro in den Airport investieren, anstatt das Geld wie geplant in den Rückbau zu stecken.

In punkto Kosten ist Tegel im Vergleich zum Nachfolger BER ein Musterbeispiel an Disziplin und Effizienz. Ganze 430 Millionen Mark hat die Errichtung des 1974 fertiggestellten "modernen Tegel" gekostet, also etwa 220 Millionen Euro. Das entspricht gut 580 Millionen Euro in heutigen Preisen. Dafür gab es einen Airport, der anfangs für sieben Millionen Fluggäste im Jahr ausgelegt war.

Lesen Sie auch: Was ist Deutschlands peinlichster Flughafen?

Zum Vergleich: Der Großflughafen Berlin-Brandenburg wird jüngsten Schätzungen zufolge um die sechs Milliarden Euro kosten. Kapazität: 27 Millionen Passagiere im Jahr. Ursprünglich waren die Kosten mit etwa einer Milliarde angesetzt worden. Pro Passagier kostete Tegel demnach 83 Euro, BER kommt auf etwa 223 Euro.

Auch bei der Bauzeit schlägt Tegel BER um Längen. Vom Spatenstich bis zur Eröffnung dauerte es im Berliner Nordwesten gerade einmal fünf Jahre. Wenn beim Großflughafen alles gut geht, hebt der erste reguläre Flieger nach zwölf Jahren ab.

Schon fordern Lokalpolitiker und einzelne Fluggesellschaften, den Airport Tegel dauerhaft zu erhalten. Die FDP hat ein Volksbegehren initiiert, das bisher allerdings noch nicht besonders großen Zulauf erhalten hat. Vor allem die Anwohner von Tegel pochen auf die Ihnen zugesagte Ruhe nach 44 Jahren Flugbetrieb.

Mehr zum Thema