12.01.2017  Trotz Einigung auf 4-Milliarden-Vergleich

Diese sechs VW-Manager jagt jetzt die US-Justiz

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Künftig nicht mehr möglich: Messeauftritt Heinz-Jakob Neußers in Las Vegas 2015
DPA
Künftig nicht mehr möglich: Messeauftritt Heinz-Jakob Neußers in Las Vegas 2015

Der Deal von Volkswagen mit dem US-Justizministerium öffnet ein neues Kapitel in der Geschichte der Strafverfahren gegen große Konzerne.

Mit 4,3 Milliarden Dollar kauft sich der deutsche Autohersteller Rechtsfrieden - aber nur zum Teil. Der entsprechende Vergleich, den das US-Ministerium am Mittwoch in Washington bestätigte, enthält im Unterschied zu den großen Verfahren gegen Banken auch ein Schuldeingeständnis.

Zugleich ermittelt die US-Justiz aber weiterhin gegen sechs noch aktive oder ehemalige VW-Manager. Einer von ihnen war bereits zu Wochenbeginn vom FBI in Florida verhaftet worden.

Oliver Schmidt ist wohl der erste Volkswagen-Manager, den die US-Justiz für den Diesel-Skandal zur Rechenschaft zieht. Am 7. Januar wurde der 48-Jährige am Flughafen von Miami festgenommen, bevor er nach Deutschland zurückkehren konnte, und stand schon am Montag vor Gericht.

Vorgeführt: Gerichtsfoto des VW-Managers Schmidt nach der Festnahme
REUTERS / Courtesy of Broward County Sheriffs Office
Vorgeführt: Gerichtsfoto des VW-Managers Schmidt nach der Festnahme

Laut Anklageschrift leitete Schmidt von 2012 bis 2015 das Umwelt- und Ingenieurbüro von VW in Auburn Hills, Michigan, bevor er in die Wolfsburger Zentrale zurückkehrte. Auf gemeinschaftlichen Betrug an den USA und den VW-Kunden sowie Verletzung des Luftreinhaltegesetzes lauten die Vorwürfe.

Vorstandsmitglieder werden nicht belangt - das ist für Volkswagen auch mit Blick auf etwaige Aktionärsklagen wichtig. Heinz-Jakob Neußer ist der bekannteste der sechs, er leitete 2013 bis 2015 als VW-Markenvorstand die dortige Entwicklungsabteilung und war zuvor seit 2011 für die Motorenentwicklung zuständig.

Dem 56-Jährigen wird direkte Verantwortung für das "Defeat Device" zugeschrieben, das die Abgaswerte manipulierte. Schmidts direkter Vorgesetzter, der auch dem Konzernvorstand berichtete, soll die Ingenieure dazu angehalten haben, den Betrug weiter zu verschleiern - und auch nach Bekanntwerden des Skandals gegenüber den Behörden gemauert haben.

Für Neußer wären Reisen in die USA künftig besonders unangenehm. "Wir haben bisher immer gut mit den deutschen Kollegen zusammengearbeitet", antwortete Justizministerin Loretta Lynch auf die Frage nach den Aussichten eines Auslieferungsantrags. Die Causa VW hat also auch das Potenzial zu diplomatischen Verwicklungen.

Die vier Mitangeklagten Jens Hadler, Richard Dorenkamp, Bernd Gottweis und Jürgen Peter vermutet die US-Justiz ebenfalls in Deutschland.

Hadler leitete bis 2011 die Wolfsburger Motorenentwicklung, bevor er als Geschäftsführer zum Mittelständler APL wechselte. Dorenkamp war in der Abteilung noch bis 2013 für die Abgasnachbehandlung zuständig - und damit auch für das Team hinter den "Clean Diesel"-Modellen, um eine Antwort auf die strengeren Abgasvorschriften für den US-Markt zu finden. Gottweis und Peter waren als Qualitätsmanager und Sicherheitsbeauftragte involviert, Peter auch durch die Kontakte zu US-Behörden.

Die Beschuldigten waren für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen. Ein Konzernsprecher erklärte gegenüber manager-magazin.de, man halte es für "nicht angemessen, laufende Ermittlungen zu kommentieren oder zu persönlichen Angelegenheiten Stellung zu nehmen".

Bereits im September hatte der VW-Ingenieur James Liang sich vor einem US-Gericht schuldig bekannt und sich im Gegenzug für eine verminderte Haftstrafe als Kronzeuge zur Verfügung gestellt. Liang war 2008 in die Staaten gezogen, um an der Genehmigung für "Clean Diesel" mitzuwirken, und leitete unter anderem Emissionstests im kalifornischen Oxnard.

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