29.12.2016  Rätsel um China-Milliardär

Bizarrer Handel mit Alu-Megatonnen als private Kapitalflucht

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Liu Zhongtian (beim Börsengang von China Zhongwang in Hongkong 2009)
REUTERS
Liu Zhongtian (beim Börsengang von China Zhongwang in Hongkong 2009)

Eines der größten Rätsel auf dem Weltmetallmarkt könnte ganz profane persönliche Gründe haben. Das legt ein Bericht des "Wall Street Journals" (kostenpflichtig) nahe, dem zufolge der Wunsch des chinesischen Aluminium-Milliardärs Liu Zhongtian nach einem Leben in Europa eine plausible Erklärung für die seit Jahren andauernde Weltreise eines gewaltigen Metallvorrats liefert.

Zuvor hatten die Zeitung und amerikanische Industrielle den Schatz im Wert von geschätzten fünf Milliarden Dollar aufgespürt, der sich von China aus über den Umweg Mexiko inzwischen in einem vietnamesischen Hafen angesammelt hat. Dort lagern 1,7 Millionen Tonnen Aluminiumprodukte, die indirekt Lius Besitz zugeschrieben werden - ein Siebtel des Weltvorrats, genug um den Marktpreis seit Jahren zu belasten.

Während sich die Branche darauf konzentriert, mit Hilfe der US-Regierung Aluminium-Dumping zu verhindern, erklärt der neue "WSJ"-Bericht Lius Motiv ganz anders: Der Hort von Metall sei möglicherweise die private Altersvorsorge des Eigners der Aluhütte China Zhongwang - ein Mittel, um die chinesische Ausfuhrgrenze für Kapital von 50.000 Dollar pro Jahr zu umgehen, nicht amerikanische Importzölle.

Die Zeitung zitiert aus einer E-Mail einer texanischen Anwaltskanzlei, die demnach vor Jahren mit der privaten Vermögensverwaltung des Chinesen betraut war. "Wir befinden uns in der Startphase eines Family Office", schrieb der Anwalt Herman Randow aus Dallas 2012. "Es wird nicht stabil sein, bis Mr Liu in Ruhestand geht und China verlässt, um in der Schweiz zu leben. Das ist sein letztendliches Ziel."

Die E-Mail nannte auch zwei Schweizer Briefkastenfirmen als Lius Eigentum. Eine davon sei die Muttergesellschaft einer Singapurer Handelsfirma, die für den ursprünglichen Export des Aluminiumhorts aus China sorgte - damit stünde die gesamte komplexe Lieferkette unter Kontrolle Lius oder seiner Partner.

Liu bestreitet jegliche Verbindung

China Zhongwang bestreitet - wie auch in früheren Berichten - jegliche Verbindung. Liu "kennt diese Anwaltskanzlei nicht", erklärte eine Firmensprecherin. Die Kanzlei selbst teilte mit, sie habe derzeit - und "seit einer ganzen Weile" - kein Mandat des Chinesen. Sie bestritt aber die Angabe von dessen US-Anwalt, Randow und Lius umtriebiger Geschäftsparter Eric Shen hätten die Schweizer Scheinfirmen gegen seinen Willen gegründet.

Die Geschichte wird also noch dubioser. Liu Zhongtian tritt bisher betont bescheiden auf und lebt in einer Wohnung auf seinem Fabrikgelände - im Gegensatz zu seinem mit mehreren teuren Eskapaden in Amerika und Europa aufgefallenen Ex-Vertrauten Eric Shen.

Das "Wall Street Journal" hat jedoch weitere Belege für Lius Drang ins Ausland: 2014 habe er für 650.000 Euro die maltesische Staatsbürgerschaft erworben, die ihm Niederlassungsfreiheit in der EU garantiert (ein Modell, wie es besonders seit der Euro-Krise mehrere EU-Staaten verfolgen) - ungeachtet der Tatsache, dass das chinesische Recht eine doppelte Staatsbürgerschaft nicht erlaubt.

US-Register zeigten auch mehrere Immobilien im Besitz der Familie, und eine Sozialversicherungsnummer für Liu persönlich. Seit August besitzt Lius Firma Zhongwang außerdem die Aluminiumhütte Aleris in Cleveland, gekauft für 2,3 Milliarden Dollar. Da könnte das Vermögen sicher sein - und außerdem weiterhin den Metallmarkt bewegen.

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