03.08.2016  Tönnies-Fehde eskaliert - "Robert Tönnies muss widerrufen"

Schlacht der Schlachter - Clemens Tönnies setzt Neffen Robert eine Frist

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Familie, keine Freunde: Clemens Tönnies (links) neben seinem Neffen Robert vor dem Gerichtsaal (Archiv)
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Familie, keine Freunde: Clemens Tönnies (links) neben seinem Neffen Robert vor dem Gerichtsaal (Archiv)

Der skurrile Kampf um Deutschlands größten Schlachtkonzern Tönnies spitzt sich erneut zu. Unternehmenschef Clemens Tönnies (60) fordert seinen Neffen Robert (38) auf, sich bei Geschäftsführer Josef Tillmann (62) zu entschuldigen. Was lapidar klingt, beruht auf brisantem Kalkül.

Mit dem Schreiben setzen die Anwälte von Clemens Tönnies aus der Kanzlei Noer den Herausforderer Robert Tönnies unter Zugzwang. Anfang vergangener Woche musste dieser vor dem Oberlandesgericht Hamm eine Schlappe hinnehmen. Die Richter konnten keine Falschaussage von Tillmann feststellen und sahen entsprechend keinen Grund für die Abberufung des langjährigen Vorstandsmitglieds.

Robert Tönnies hatte Tillmann vorgeworfen, wider besseren Wissens vor Gericht behauptet zu haben, dass sein verstorbener Vater Bernd Onkel Clemens eine Stellung als gleichberechtigter Gesellschafter versprochen hatte. Dieses vermeintliche Versprechen bildete die Grundlage für eine Schenkung Roberts, auf deren Rückabwicklung er seit Jahren klagt.

Entschuldigt er sich nun, schwächt er seine Position im zentralen Prozess um die Widerrufung der Schenkung. Entschuldigt er sich nicht, ist Konzernboss Clemens Tönnies dem Vernehmen nach geneigt, Robert geschäftsschädigendes Verhalten vorzuwerfen und einen weiteren Prozess loszutreten.

"Robert Tönnies muss widerrufen"

"Robert Tönnies muss seine falschen Aussagen widerrufen. Er hat auf ungeheuerliche Weise einem der wichtigsten Manager seines Unternehmens und seinem Onkel vorgeworfen, ihn bezüglich der Gleichstellungsvereinbarung getäuscht und belogen zu haben. Nun wurde mehrfach richterlich festgestellt, dass diese Vorwürfe falsch sind", betont ein Sprecher von Clemens Tönnies.

"Bernd und Clemens Tönnies hatten eine Anteilsverteilung von 50/50 verabredet. Die Vorwürfe von Robert Tönnies waren ehrverletzend und geschäftsschädigend. Clemens Tönnies und Josef Tillmann erwarten zurecht eine Entschuldigung und eine Klarstellung in der Öffentlichkeit, dass der Neffe hier die Unwahrheit behauptet hat."

Als Frist für eine Reaktion hat Clemens Tönnies seinem Neffen Robert bis kommendem Mittwoch Zeit eingeräumt. Ein Sprecher von Robert zeigte sich über die Neuentwicklung überrascht. Robert sei im Urlaub, der Brief noch nicht bekannt.

Tönnies: Die Schlacht der Schlachter

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