26.04.2016  Ströer wehrt sich gegen Muddy Waters

Ströer droht Short-Seller mit Klage

Von mm-newsdesk
Ströer-Zentrale in Köln: Am Tag der Attacke des Short-Sellers Muddy Waters brach die im MDax notierte Aktie um bis zu 30 Prozent ein. Seitdem hat sich das Papier wieder etwas erholt - auch dank kräftiger "Director's Dealings"
Ströer
Ströer-Zentrale in Köln: Am Tag der Attacke des Short-Sellers Muddy Waters brach die im MDax notierte Aktie um bis zu 30 Prozent ein. Seitdem hat sich das Papier wieder etwas erholt - auch dank kräftiger "Director's Dealings"

Der Konflikt zwischen dem Werbeflächen-Vermarkter Ströer und dem US-Investor Muddy Waters eskaliert. Beide Seiten könnten sich vor Gericht treffen. Zudem versucht Familie Stroer, durch Aktienkäufe die Pläne der Short Seller zu durchkreuzen.

Das Tauziehen zwischen den im MDax notierten Werbekonzern Ströer und dem Short Seller Muddy Waters geht weiter: Die Aktien von Ströer haben sich seit ihrem Kurseinbruch am Donnerstag wieder etwas erholt - auch deshalb, weil die Ströer-Führung versucht, mit Aktienkäufen die Leerverkauf-Strategie des US-Investors zu durchkreuzen.

So griff der Ehefrau des Firmenerben Dirk Ströer, Tina Ströer, bereits am Donnerstag beherzt zu und kaufte 7000 Ströer-Aktien im Wert von rund 280.000 Euro. An diesem Tag war ein kritischer Kommentar von Muddy Waters zu Ströer erschienen, die Aktie brach um rund 30 Prozent ein und drohte die Marke von 40 Euro zu durchschlagen.

Am Freitag legte Tina Ströer noch einmal nach und kaufte noch einmal 7000 Aktien zum Preis von 310.000 Euro, wie aus den Mitteilungen des Unternehmens hervorgeht. Damit hat sie binnen zwei Tagen knapp 600.000 Euro in Ströer-Aktien investiert. Bislang geht diese Abwehrstrategie auf: Am Dienstag kletterte die Aktie von Ströer wieder über die Marke von 45 Euro und hat seit ihrem Kurssturz vom vergangenen Donnerstag wieder mehr als 10 Prozent an Wert hinzugewonnen.

Am Wochenende hatte sich die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" dem Investor hinter dem Frontalangriff auf den Werbespezialisten gewidmet. Zuvor hatte das "Handelsblatt" ein Interview mit Carson Block, Chef des Hedgefonds, geführt. "Wir werden uns weiter mit Ströer beschäftigen", kündigte er darin an.

Deutsche-Bank-Analyst stützt Ströer

Ein Börsianer riet, die Aktie wegen aller Unsicherheiten weiter zu meiden. Analysten halten Ströer jedoch weiter die Stange. So blieb Benjamin Kohnke von der Deutschen Bank nach der Stellungnahme des Unternehmens vom Freitag weiter bei seiner Kaufempfehlung. Ströers Reaktion auf die extrem negativen Vorwürfe sei detailliert und glaubwürdig ausgefallen, schrieb er in einer Studie. Das ausgewiesene operative Ergebnis (Ebitda) entspreche vollständig der wirtschaftlichen Realität.

Ströer hatte die Vorwürfe bereits in der vergangenen Woche zurückgewiesen. Parallel hatte das Unternehmen gestiegene Umsatzzahlen fürs erste Quartal vorgelegt und mitgeteilt, dass die Geschäftsaussichten fürs Gesamtjahr unverändert positiv seien. Der US-Fonds Muddy Waters arbeite mit falschen Behauptungen und Unterstellungen, seine Vorwürfe seien falsch, sagte Ströer-Chef Udo Müller am Freitag in einer Telefonkonferenz. Die Kölner drohten zudem juristische Schritte an und schalteten die Finanzaufsicht BaFin ein.

Muddy Waters-Chef Carson Block zeigte sich unbeeindruckt. Muddy Waters bleibe bei seiner Auffassung, dass Ströer "Investoren in die Irre führt", sagte ein Sprecher. Sämtliche Ergebnisse des Reports würden der BaFin sowie der Deutschen Prüfstelle für Rechnungslegung zur Verifizierung vorgelegt. Muddy Waters sei auch bereit, dies vor Gericht zu belegen.

Muddy Waters Capital habe in einem Bericht zu Ströer bereits bekannte Fakten "bewusst irreführenderweise dargestellt", warf Ströer dem US-Investor vor. Muddy Waters handle aus eigenem wirtschaftlichen Interesse, da der Investor auf fallende Kurse bei Ströer gesetzt habe. Blocks Unternehmen habe "ein fundamentales Eigeninteresse daran, mit falschen Behauptungen (...) den Aktienkurs von Ströer zu manipulieren und bei deutlich sinkenden Kursen signifikante Spekulations-Gewinne zu erzielen". Die Finanzaufsicht BaFin bestätigte, von Ströer in dem Fall kontaktiert worden zu sein.

Anonyme Anfragen

Ströer legte zudem eine umfassende Stellungnahme vor, mit dem das Unternehmen versuchte, die Anwürfe detailliert zu entkräften. Müller berichtete zudem, in den vergangenen Wochen seien Mitarbeiter immer wieder anonym kontaktiert worden. Ziel sei es gewesen, sie gezielt über das Unternehmen auszufragen. Ein Muddy-Waters-Sprecher sagte, der US-Fonds spreche anonym mit Investor-Relations-Abteilungen.

Block hatte in einem mehr als 60 Seiten starken Bericht Ströer unter anderem vorgeworfen, das Wachstum des Online-Geschäfts in den vergangenen zwei Jahren übertrieben dargestellt zu haben. Muddy Waters habe deshalb mit Leerverkäufen gegen die Aktie gewettet.

Ströer bestückt Bushaltestellen und Plakatwände mit Werbung und bespielt digitale Bildschirme in Bahnhöfen und Einkaufszentren mit Reklame. 2013 stieg die Firma in die Online-Werbung ein. Sie übernahm unter anderem den Digitalvermarkter InteractiveMedia und die Online-Plattform T-Online von der Deutschen Telekom, die dafür mit einem Anteil von 11,6 Prozent Großaktionär von Ströer wurde. Die Telekom habe sich im Rahmen ihrer Aufsichtsratsfunktion bei Ströer gemeldet, darüber hinaus habe es aber keine weiteren Nachfragen gegen, sagte ein Ströer-Sprecher.

Ströer-Chef Müller berichtete zudem über einen guten Start ins Jahr. Im ersten Quartal habe das Unternehmen das Ziel eines organischen Wachstums von zehn Prozent mit 11,5 Prozent übertroffen. Das Unternehmen schaue sich zudem nach Zukäufen um - fänden sich keine Übernahmeziele, könnte es auch höhere Dividenden oder einen Aktienrückkauf geben.

la/dpa/reuters

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