02.06.2017  Neue Trends aus Amerika

Spenderblut statt Lunch

Eine Satire von
Hm, welches nehm' ich nur? Das von dem Vegetarier? Oder doch lieber Fleischesser-Blut? Gibt's das mit den hohen Cholesterinwerten günstiger? Bekomm' ich Rabatt, wenn ich ein Abo nehme?
DPA
Hm, welches nehm' ich nur? Das von dem Vegetarier? Oder doch lieber Fleischesser-Blut? Gibt's das mit den hohen Cholesterinwerten günstiger? Bekomm' ich Rabatt, wenn ich ein Abo nehme?

Alle Welt regt sich darüber auf, dass die irre Ein-Mann-Show in Washington das Klimaschutzabkommen kündigen will. Was noch keiner durchschaut hat: Das ist natürlich nur ein Ablenkungsmanöver, mit dem die USA vertuschen wollen, dass sie ein echtes Problem haben. Denn: Der Lunch stirbt aus. Nein, nicht der Lurch - obwohl: Der auch, vor allem der mexikanische Schwanzlurch. Aber ich schweife ab. Der Lunch ist es! 433 Millionen Mahlzeiten wurden im vergangenen Jahr in US-amerischen Restaurants weniger verkauft, 3,2 Milliarden Dollar Einbußen haben die Betreiber zu beklagen.

Die gemütliche Geschäftsrunde, zwei, drei Martini, so ganz nebenbei ist auch der eine oder andere Deal eingetütet - das war einmal. Statt dessen gibt es megatrauriges Desktop Dining.

Wenn überhaupt. Es könnte alles noch viel, viel schlimmer kommen, wenn ein völlig neuer Trend aus dem Silicon Valley die Mittagspausen erobert. Die Firma Ambrosia bietet, wie der Nachrichtensender CNBC berichtet, eine Dienstleistung für alle an, denen es in USA noch nicht durchgeknallt genug ist: Reiche, gesunde, ältere Silicon-Valley-Typen lassen sich auf der Suche nach verlorener Jugendkraft Spenderblut von Teenagern injizieren.

Man kann sich das vielleicht in etwa so vorstellen:

CEO an Sekretärin: "Ich möchte heute nachmittag zu mittag einen Salat gegessen haben, dazu einen trockenen Weißen, aber wirklich nur ein Gläschen, ich muss schließlich noch fahren, und ich möchte nicht älter als 19 gewesen sein dabei." - "Alles klar, Cheffe, wird gemacht."

Dann ruft die Sekretärin die Blutbank an, lässt das entsprechende Beutelchen kommen und hängt den Chef an den Tropf. Wie elegant und wortgetreu lässt sich so die Forderung des Aufsichtsrats umsetzen, das Unternehmen bräuchte dringend mal frisches Blut an der Spitze!

Wie aber können wir verhindern, dass auch dieser Silicon-Valley-Trend noch nach Europa schwappt? Da gibt es nur eines: Wehret den Anfängen. Gehen Sie mittagessen. Notfalls mehrmals am Tag. Sagen Sie den Kollegen, es sei ein wichtiger Business Lunch, und es könnte deshalb etwas länger dauern. Denken Sie an die Spesenquittung und vergessen Sie den Martini nicht. Prost!

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