11.10.2018 
Weltweite Konjunkturgefahren steigen

IWF kritisiert Trump scharf - und warnt vor Währungskrieg

Dollar-Banknote vor Yuan-Noten: Der Handelsstreit könnte in einem Währungskrieg münden, warnt der IWF
AFP
Dollar-Banknote vor Yuan-Noten: Der Handelsstreit könnte in einem Währungskrieg münden, warnt der IWF

IWF-Chefin Christine Lagarde hat der Wirtschaftspolitik von Donald Trump und dessen Angriffen auf die eigene Zentralbank eine deutliche Abfuhr erteilt. Sie eröffnete die Jahrestagung von Internationalem Währungsfonds und Weltbank am Donnerstag mit scharfer Kritik am Vorgehen des US-Präsidenten. Das System des weltweiten Handels dürfe nicht zerstört werden, sagte Lagarde zu Beginn des Treffens in Nusa Dua (Indonesien) vor dem Hintergrund einer sich abschwächenden Weltkonjunktur.

Trump hatte erklärt, die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) sei wegen ihrer raschen Zinserhöhungen "verrückt geworden". Lagarde entgegnete hierauf, Notenbank-Chef Jerome Powell und der Fed-Vorstand wirkten sehr solide und seriös. "Ich würde ihn nicht mit Verrücktheit in Verbindung bringen", sagte die IWF-Chefin dem US-Sender CNBC.

Zudem fürchtet Lagarde neben einem Handels- auch einen Währungskrieg. Das könne das Wachstum der Weltwirtschaft dämpfen und auch Unbeteiligte treffen, warnte die Französin.

Finanzmärkte zeigen sich zunehmend nervös

Hintergrund ist der seit Monaten schwelende Handelsstreit zwischen den beiden weltgrößten Volkswirtschaften USA und China, den US-Präsident Donald Trump vom Zaun gebrochen hat. Er wirft China unfaire Handelspraktiken und Diebstahl geistigen Eigentums vor. Der Volksrepublik wird zudem zur Last gelegt, ihre Währung gegenüber dem Dollar abzuwerten, was tendenziell das ohnehin schon hohe US-Handelsdefizit noch vergrößert.

Trump hat das Welthandelssystem scharf kritisiert, weil es sein Land angeblich benachteiligt. China wirft er auch vor, den Yuan zu manipulieren, um damit Handelsvorteile zu erlangen. "Wir hoffen, wir bewegen uns weder in die Richtung eines Handelskriegs noch in die eines Währungskriegs", sagte Lagarde.

An den Finanzmärkten sind Anleger zunehmend nervös. Dazu hat auch derjüngste IWF-Bericht zur Finanzstabilität beigetragen. Er nährte die Furcht vor abrupten Markt-Anpassungen. Am Donnerstag fielen die europäischen Aktienmärkte auf den niedrigsten Stand seit gut eineinhalb Jahren. Der IWF hatte erst am Dienstag seine Wachstumsprognosen für die Weltwirtschaft gesenkt und dafür die Handelskonflikte mitverantwortlich gemacht.

Scholz: Deutscher Haushalt gut aufgestellt gegen Abschwung

Lagarde forderte jetzt alle Länder auf, auf eine Deeskalation hinzuarbeiten. Die IWF-Chefin räumte aber zugleich einen Reformbedarf des Handelssystems unter dem Dach der Welthandelsorganisation (WTO) ein - wie schon tags zuvor deren Präsident Roberto Azevêdo. Lagardes Forderung: "Repariert es, aber zerstört es nicht." Die Regeln des Welthandels hätten allen Nationen genutzt.

Weltbank-Präsident Jim Yong Kim hatte erklärt, die Welt brauche "mehr Handel, nicht weniger". Die Globalisierung habe Millionen Menschen aus der Armut geführt. Dies müsse weitergehen.

Scholz gab sich am Rande der Tagung überzeugt, dass der deutsche Haushalt gut aufgestellt ist für eine mögliche Eintrübung der Konjunktur und gegebenenfalls wieder steigende Zinsen auch in Europa. Er bekräftigte, die Bundesrepublik stehe zum Ziel, 2019 zum sechsten Mal in Folge einen Haushalt ohne neue Schulden ("schwarze Null") aufzustellen. Der IWF hatte die Wachstumsprognose für Deutschland um 0,6 Punkte für das Jahr 2018 auf 1,9 Prozent zurückgenommen.

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