31.01.2018 
Exklusiv - Welthandelsindex

So treiben Asiens kommende Länder die Weltwirtschaft an

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Schiffbau in Südkorea: Das Land ist die Nummer zwei in Asien in Sachen internationaler Handel - und treibt zusammen mit anderen Schwellenländern den Welthandel an.
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Schiffbau in Südkorea: Das Land ist die Nummer zwei in Asien in Sachen internationaler Handel - und treibt zusammen mit anderen Schwellenländern den Welthandel an.

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Die Weltwirtschaft befindet sich aktuell in einem breiten Aufschwung, der nach Ansicht von Fachleuten auch im Jahr 2018 weitergehen dürfte. Einer der Stützpfeiler, auf denen dieses robuste Wachstum ruht, ist der florierende Welthandel. Und da sind es, wie das Institut für Kapitalmarktanalyse (IfK) in Köln erkannt hat hat, gegenwärtig vor allem die Schwellenländer, die dem globalen Austausch von Gütern und Dienstleistungen Antrieb geben.

Der Welt-Handelsindex, den das IfK regelmäßig berechnet, und den manager magazin online exklusiv präsentiert, notiert inzwischen wieder bei 84,9 Punkten. Damit befindet sich der Index knapp unter seinem jüngsten Mehrjahreshoch von 85,8 Punkten, das er erst im vergangenen November erreicht hatte. Zudem könnte der Index in Kürze wieder die Zone oberhalb der 85 Punkte erreichen, welche anzeigt, dass der Welthandel stärker expandiert, als dies angesichts der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung im Trend zu erwarten wäre. Im laufenden Jahr jedenfalls, das prognostizieren die Experten vom IfK, wird der Welthandel wohl um satte 5 Prozent zulegen.

Zum Vergleich: 2017 legte der Welthandel vermutlich um weniger als 4 Prozent zu. In den vergangenen Jahren lagen die Wachstumsraten meist zwischen 2 und 3 Prozent.

Die besonders starke Expansion gegenwärtig hängt nach Angaben des IfK insbesondere mit dem "Comeback" der Schwellenländer zusammen. "Wir quantifizieren eine eindeutige Belebung der Kreditströme in allen relevanten Schwellenländern, welches bekanntermaßen der Treibstoff für Wachstum ist", sagt Markus Zschaber, Chef der V.M.Z. Vermögensverwaltung aus Köln, Muttergesellschaft des IfK. "Vor allem die Konsumdynamik und die Investitionen ziehen sehr deutlich an, nachdem viele Jahre diesbezüglich nur rückläufige Zahlen festgestellt werden konnten."

Laut Zschaber stellen "funktionsfähige Kreditmärkte den Blutkreislauf für die Nachfragestruktur in den Schwellenländern" dar. "Erholen sich diese in 2018 weiter, steht einem erneuten Wachstumsjahr im Welthandel nichts mehr im Wege", sagt er.

Der Welt-Handelsindex ...
  • ... fasst alle relevanten Daten aus den vier Logistikwegen Schifffahrt, Schiene, Straße und Lufttransport zusammen und bietet ein Gesamtbild des Welthandels in einer Zahl.
    Je höher oder tiefer der Index steht, desto besser respektive schlechter steht es um den Welthandel. Weißt der Welt-Handelsindex einen Stand zwischen 85 und 100 Punkten aus, befindet sich der Welthandel im Expansionsmodus. Bei Indexständen zwischen 55 und 0 Punkten schrumpft der Warenverkehr.
    Der Welt-Handelsindex wird vom Institut für Kapitalmarktanalyse, einer Tochter der Vermögensverwaltungsgesellschaft Dr. Markus C. Zschaber, herausgegeben und monatlich exklusiv auf manager magazin online veröffentlicht. Informationen zum Index gibt es auch unter www.kapitalmarktanalyse.com.

Allerdings tragen nach Angaben des IfK nicht alle Emerging Markets gleichermaßen zum florierenden Austausch von Gütern und Waren rund um den Globus bei. Mexiko, die Türkei und Südafrika beispielsweise dürften nach Ansicht der Experten auch 2018 abgeschlagen sein, da sie mit spezifischen Krisen zu tun haben. Besonderes Augenmerk sollte man dagegen den Handelsbeziehungen zwischen China und dem restlichen asiatischen Kontinent sowie zwischen China und Europa richten, so das IfK. Dort sei eine eindeutige Zunahme der Umschlagshäufigkeit per Schiff, Straße sowie per Flugzeug zu erkennen.

Ein weiteres Schwellenland, das vom IfK hervorgehoben wird, ist Südkorea. Das Land - nach China die führende Außenhandelsnation in Asien - verzeichnete zuletzt ein Exportwachstum von 15,8 Prozent, so das Institut. Insbesondere die Exporte nach China, die im Vergleich zum Vorjahresmonat um über 14 Prozent anstiegen, seien hervorzuheben. Gleiches gilt für die Ausfuhren nach Vietnam (plus 46 Prozent) sowie nach Indien (plus 30 Prozent). Südkoreas Exporte nach Japan und in die Europäische Union (EU) stiegen zudem zweistellig, so das IfK.

Der Welt-Handelsindex im Januar 2018: Der Index steht kurz unterhalb seines langjährigen Höchststandes und dürfte weiter zulegen.
manager magazin online
Der Welt-Handelsindex im Januar 2018: Der Index steht kurz unterhalb seines langjährigen Höchststandes und dürfte weiter zulegen.

Nach Angaben der Ökonomen werden vor allem die asiatischen Schwellenländer immer wichtigere Handelspartner für Südkorea. Primär exportiere das Land integrierte Schaltungen, Autos sowie Passagier- und Frachtschiffe und LCDs. In allen vier Bereichen waren die Wachstumsgrößen zuletzt zweistellig im Vergleich zum Vorjahresmonat, so das IfK. "Was wir in Südkorea messen, ist ein Spiegelbild der derzeitigen Nachfrage nach Konsum- und Investitionsgütern", sagt Zschaber.

Am Aktienmarkt jedenfalls hat sich die neue Dynamik der Schwellenländer offenbar schon vor längerem herumgesprochen. Seit Monaten steigen die Börsen dort schneller als etwa in den USA oder Europa. Einiges spricht dafür, dass sich daran auch künftig nicht viel ändern wird.

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