03.04.2018  Saudi Arabiens Kronprinz sorgt für politische Sensation

"Israel hat das Recht auf ein eigenes Land"

  Mal ohne Kopfbedeckung:  Der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman (Mitte) mit New Yorks ehemaligen Bürgermeister Michael Bloomberg (2. v. rechts) in einem Coffee-Shop in New York
AFP
Mal ohne Kopfbedeckung: Der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman (Mitte) mit New Yorks ehemaligen Bürgermeister Michael Bloomberg (2. v. rechts) in einem Coffee-Shop in New York

Für die arabische Welt ist der Vorstoß eine Sensation: Der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman spricht Israel das Recht auf ein eigenes Land zu und macht sich für ein Friedensabkommen in Nahost stark. Bislang gelten die Länder als verfeindet, erkennt Saudi Arabien den Judenstaat seit seiner Gründung vor 70 Jahren nicht an.

Mohammed bin Salman modernisiert sein Land für arabische Verhältnisse in atemberaubender Geschwindigkeit. Der Kronprinz von Saudi Arabien geht massiv gegen Korruption vor, gesteht Frauen mehr Rechte zu und will die regenerativen Energien im Land drastisch ausbauen, um die Abhängigkeit des weltgrößten Rohölexporteurs von dem Öl zu vermindern.

Nun hat der 32-jährige Herrscher mit einem politischen Statement nicht nur die arabische Welt schwer überrascht: Er spricht Israel das Recht auf ein eigenes Land zu. "Ich glaube, dass alle Menschen, überall, das Recht haben, friedlich in ihrem Staat zu leben", sagte der 32-Jährige dem US-Magazin "The Atlantic" in einem am Montag (Ortszeit) veröffentlichten Interview.

Das schließt nach Meinung des mächtigen Herrschers in Nahost offenbar aber eigene territoriale Ansprüche der mit den Israel verfeindeten Palästinenser mit ein: "Ich glaube, dass Palästinenser und Israelis das Recht auf ihr eigenes Land haben." Um für alle Stabilität zu gewährleisten und normale Beziehungen zu unterhalten, bedürfe es jedoch eines Friedensabkommens.

Das islamisch-konservative Königreich hat keine diplomatischen Beziehungen zu Israel, ist allerdings nach Einschätzung von Beobachtern grundsätzlich zu einer Normalisierung des Verhältnisses bereit. Gleichzeitig unterstützt es die Palästinenser.

"Auch Palästinenser sollten das Recht auf eine eigenes Land haben"

Bin Salman sagte in dem Interview weiter, sein Land habe religiöse Sorgen wegen des Schicksals der heiligen Moschee in Jerusalem und wegen der Rechte der Palästinenser. Er fügte hinzu: "Wir haben keine Einwände gegen andere Menschen." Israel sei eine große und wachsende Wirtschaftsmacht und es gebe natürlich viele Interessen, die man miteinander teile. Wenn es Frieden geben würde, würde es viele gemeinsame Interessen zwischen Israel und den Ländern des Golf-Kooperationsrats wie Ägypten und Jordanien geben.

Mohammed bin Salman, Sohn von König Salman, gilt als eigentlicher starker Mann in dem sunnitischen Königreich. Bestimmt wird die außenpolitische Doktrin des sunnitischen Königshauses vor allem von einem Faktor: der Konkurrenz zum schiitischen Nachbarn Iran, den Riad als Erzfeind betrachtet.

Die Zeichen auf eine Annäherung zwischen Israel und Saudi Arabien nahmen zuletzt zu. Im vergangenen Monat hatte Saudi Arabien seinen Luftraum erstmals für ein Passagierflugzeug mit dem Ziel Israel geöffnet. Im November räumte zudem ein israelisches Kabinettsmitglied Kontakte mit Saudi-Arabien ein.

rei mit Nachrichtenagenture

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