28.03.2018 
Warum der Handelsstreit letztlich Europa treffen kann

"China hat im Streit mit den USA einfach die besseren Karten"

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Trump, Xi Jiping: "Gut möglich, dass sich Trump die EU vornimmt, wenn er gegen China den Kürzeren zieht"
REUTERS
Trump, Xi Jiping: "Gut möglich, dass sich Trump die EU vornimmt, wenn er gegen China den Kürzeren zieht"

Währung, Weizen, US-Staatsanleihen: Im Handelsstreit mit den USA hat China mächtige Mittel, um Donald Trump empfindlich zu treffen. Trump kann sich einen Handelskrieg mit China überhaupt nicht leisten, meint China-Experte Hermann Meller. Die Gefahr bestehe, dass sich Trump deshalb einen schwächeren Gegner erneut vornehme - die EU.

mm.de: Herr Meller, die EU ist eifrig bemüht, durch Zugeständnisse an die USA weiterhin von US-Strafzöllen verschont zu bleiben. Wird US-Präsident Trump mit seiner Strategie der Drohung auch im Streit mit China Erfolg haben?

Hermann Meller: Das halte ich für wenig wahrscheinlich. China wird sich im Fall einer Eskalation des Handelsstreits zu wehren wissen - mit Maßnahmen, die die USA empfindlich treffen können.

mm.de: Wie könnte eine "harte" Antwort der Chinesen auf Trumps Strafzölle aussehen?

Zur Person
Hermann Meller ist China-Experte bei der internationalen Wirtschaftskanzlei Dentons. Er arbeitet in Shanghai und in Berlin mit den Schwerpunkten Fusionen und Übernahmen, Kapitalmarktrecht und Gesellschaftsrecht.

Hermann Meller: Mein Eindruck ist, dass bei aller Rhetorik die chinesische Regierung mit Trumps Strafzöllen relativ gelassen umgeht, denn sie hat einfach die besseren Karten. China kann ja auch Strafzölle gegen US-amerikanische Produkte verhängen, vor allem gegen Produkte aus agrarisch geprägten Bundesstaaten, die dadurch schmerzlich getroffen würden und bei den midterm elections im Herbst ihrem Präsidenten einen ebenso schmerzhaften Denkzettel verpassen könnten.

mm.de: China ist größter Gläubiger der USA. Wie droht man seinem Banker?

Meller: Die Chinesen brauchen nur aufzuhören, Staatsanleihen der USA zu kaufen. Dann geht dem US-Präsidenten schnell das Geld aus - er hat ja gerade eine Steuerreform durchgeführt und will riesige Summen in die Infrastruktur investieren. Bevor Peking den Kredithahn zudreht, könnten die Chinesen auch ihre eigene Währung weiter abwerten. Damit würden sie US-amerikanische Exporte auf dem Weltmarkt in Bedrängnis bringen.

mm.de: Währung, Kredite, Agrarexporte - das sind wirksame Waffen in einem Handelskrieg. Was spricht dennoch für eine Deeskalation - also mittelfristig für eine Einigung auf dem Verhandlungsweg?

Meller: Alles spricht dafür. Vor allem der Umstand, dass sich die USA einen Handelskrieg mit China wirtschaftlich für längere Zeit überhaupt nicht leisten können. Und China will ihn auch nicht - im Gegenteil wollen die Chinesen ja weiter in der westlichen Welt in Schlüsselindustrien wie die Technologiebranche investieren.

mm.de: Die Befürchtung, dass ein Handelsstreit auch auf die globalen Investitionen im Technologiesektor durchschlägt, hat den Kurssturz an der Nasdaq deutlich beschleunigt ...

Meller: Man hat fast den Eindruck, dass die jüngsten Maßnahmen eher eine Art Theaterdonner sind, und wenn die Aufmerksamkeit des Publikums nachlässt, wird ein tragfähiger Kompromiss verhandelt, bei dem alle Beteiligten das Gesicht wahren.

mm.de: Selbst wenn ein Handelskrieg vermieden wird - was bedeuten die rechtlich fragwürdigen Strafzölle für die künftigen Handelsbeziehungen zwischen Europa und den USA?

Meller: Das hängt sehr von der Reaktion Europas ab, d.h. vor allem davon, ob Europa im Falle eines Handelskrieges mit China freiwillig oder gezwungenermaßen in das Fahrwasser der USA gerät. In diesem Fall dürften sich die Handelsbeziehungen zwischen Europa und den USA jedenfalls kurzfristig nicht verschlechtern. Ebenso gut ist es aber auch möglich, dass sich Präsident Trump die EU vornimmt, wenn er gegen China - sei es auch gesichtswahrend - den Kürzeren zieht.

mm.de: Trump hat die Zölle zur Frage der "nationalen Sicherheit" erklärt. Kann Europa im Fall eines Konfliktes auf die WTO zählen - und darauf, dass die USA sich einem Urteil der WTO unterordnen?

Meller: Die USA ordnen sich niemandem unter, wenn es um ihre Interessen geht, und mit Sicherheit nicht der WTO. Die USA - egal unter welchem Präsidenten - nutzen internationale Organisationen und die von ihnen zur Verfügung gestellten Verfahren, solange es ihnen Vorteile bringt; wenn es wirklich darauf ankommt, beruft man sich eben auf die nationale Sicherheit oder die Volksgesundheit und ignoriert oder sabotiert die WTO. Das hat Präsident Trump mit seiner Äußerung ja im Grunde schon vorgegeben.

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