10.06.2018  Reaktionen auf G7-Drama

"Amerikaner stehen an eurer Seite ..."

Republikaner und US-Senator John McCain
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Republikaner und US-Senator John McCain

Erst lobt US-Präsident Donald Trump den G7-Gipfel als "enorm erfolgreich", stimmt einer Abschlusserklärung zu, um dann die Präsidenten-Maschine Air Force One zu besteigen und nach Singapur zu reisen. Es sieht also alles danach aus, dass dieser schwierige Gipfel doch noch ein für alle Teilnehmer Gesicht wahrendes Ende genommen hat.

Bis - ja, bis Trump noch aus der Maschine die gemeinsame Abschlusserklärung aus Sicht der USA für null und nichtig erklärt und den Gipfel mit einem wütenden Twitter-Sturm zum totalen Debakel werden lässt. Die Gipfel-Teilnehmer sind sichtlich überrascht und konsterniert:

Bundeskanzlerin Angela Merkel reagiert zurückhaltend auf Trumps Entscheidung. "Deutschland steht zu dem gemeinsam vereinbarten Kommuniqué", lässt sie via Regierungssprecher Steffen Seibert am Sonntagmorgen mitteilen.

Fast wortgleich lässt die EU erklären . "Wir halten an dem Kommuniqué fest, so wie es von allen Teilnehmern vereinbart wurde", sagt ein Sprecher von EU-Ratspräsident Donald Tusk.

Innerhalb der republikanischen Partei stoßen Trumps Äußerungen auf Kritik. Der an einem lebensgefährlichen Hirntumor schwer erkrankte US-Senator John McCain wendet sich auf Twitter an "unsere Verbündeten": Mehrheiten in beiden großen Parteien unterstützten weiterhin "Bündnisse, die auf 70 Jahren gemeinsamer Werte" basierten. "Amerikaner stehen an eurer Seite, auch wenn unser Präsident es nicht tut."

Russlands Präsident Wladimir Putin übt scharfe Kritik an der G7-Gruppe und kündigt ein baldiges bilaterales Treffen mit US-Präsident Donald Trump vorgeschlagen. Er wolle mit Trump zusammenkommen, sobald Washington dazu bereit sei, sagt Putin am Sonntag. Die Kritik der G7 an seinem Land tat er als "Gelaber" ab.

Führende US-Demokraten reagieren ebenfalls auf das Debakel. Die Fraktionschefin im Repräsentantenhaus, Nancy Pelosi, kritisiert, Trump habe sich auf dem Gipfel für Russland starkgemacht und die Verbündeten der USA vor den Kopf gestoßen.

Die G7-Runde solle ein Ort sein, an dem Staatschefs die "freie Welt" einen, um gemeinsam gegen autoritäre Herrscher vorgehen, sagt Damon Wilson, ehemaliger Sicherheitsberater von George W. Bush und Vizepräsident der Denkfabrik Atlantic Council, der "New York Times". "Statt sich auf diese wahre Schlacht vorzubereiten, haben wir uns in einen Familienstreit verstrickt", kritisierte er in Anspielung auf Trumps geplantes Treffen mit dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un am Dienstag.

Chinas Präsident Xi Jinping ruft direkt nach Abschluss des G7-Gipfels zu mehr globaler Zusammenarbeit auf. Eine nur auf sich selbst gerichtete und "kurzsichtige Politik der geschlossenen Türen" müsse beendet werden, sagt Xi am Sonntag beim Treffen der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ) in der ostchinesischen Stadt Qingdao. Gleichzeitig bricht er eine Lanze für den globalen Handel: "Wir müssen die Regeln der Welthandelsorganisation aufrechterhalten, das multilaterale Handelssystem unterstützen und eine offene globale Wirtschaft aufbauen."

mit Nachrichtenagenturen

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