13.06.2018 
Handelsstreit im Faktencheck

So schwach ist Merkels Abwehr gegen Trumps Kritik

Von
Angela Merkel und Donald Trump auf dem G7-Gipfeltreffen in Kanada
AFP
Angela Merkel und Donald Trump auf dem G7-Gipfeltreffen in Kanada

4. Teil: Wie die USA doch noch zum Überschussland werden - vielleicht

Genau so hat auch Gabriel Felbermayr vom Ifo-Institut gerechnet, auf den sich die "Süddeutsche Zeitung" stützt. Warenhandel plus Dienstleistungsbilanz plus Einkommenstransfers ergeben die Leistungsbilanz.

Ein wichtiger Posten darin sind die Primäreinkommen, vor allem an US-Mutterkonzerne gesendete Gewinne von europäischen Tochterunternehmen, aber auch Kapitaleinkünfte von Amerikanern aus europäischen Aktien und Anleihen. Auf diesem Weg flossen 2017 - laut BEA - 394 Milliarden Dollar westwärts über den Atlantik, nur 288 Milliarden ostwärts an europäische Kapitaleigner (auch hier spielen die Steuerfluchtstrategien der Konzerne eine große Rolle).

Dieser US-Überschuss von 106 Milliarden Dollar steht zwar in Widerspruch zu Angela Merkels Aussage, Trump müsse Europa auch die im Vergleich zu den Amerikanern höheren Direktinvestitionen europäischer Firmen in den USA zugute halten - denn die dürften dazu führen, dass künftig mehr Kapitalerträge von Amerika nach Europa überwiesen werden; aber er genügt, um das Handelsdefizit aus Waren und Dienstleistungen (102 Milliarden Dollar) auszugleichen.

Hinzu kommen noch die Sekundäreinkommen, beispielsweise regelmäßige Überweisungen von Migranten an ihre Verwandten jenseits des Atlantiks, Einkommensteuern oder (zwischen EU und USA unbedeutende) Entwicklungshilfe. Das sind netto weitere 9,6 Milliarden Dollar in Richtung Amerika - und siehe da, die Leistungsbilanz weist einen Überschuss der USA gegenüber der EU von 14 Milliarden Dollar auf.

Das ist ebenso überraschend wie das neuerdings aufgetretene Leistungsbilanzdefizit Chinas. Aber es beruht auf der BEA-Statistik, die vor allem im Dienstleistungshandel zweifelhaft ist. Eurostat zufolge hingegen haben die USA ein Leistungsbilanzdefizit gegenüber der EU von 170 Milliarden Euro.

Außerdem ist die Aussagekraft begrenzt. Die Leistungsbilanz wird vor allem in Entwicklungsländern stark beachtet, um die Einnahmekraft der Volkswirtschaft zu messen. Ein dauerhaftes, hohes Leistungsbilanzdefizit macht ein Land abhängig von Kapitalimporten und wachsenden Auslandsschulden. Wenn die dann noch in Fremdwährung aufgenommen werden, drohen Krisen, wenn der Kapitalstrom versiegt.

Solche Sorgen haben aber weder die USA noch die EU. Entscheidend für ihren Standortwettbewerb ist tatsächlich in erster Linie der Handel.

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