11.06.2018  Kritik an Sicherheitskosten

Trump legt nach - und giftet gegen Deutschland

Treffen in Singapur: Vor dem Treffen zwischen Kim und Donald Trump am Dienstag gehen Comedians schon mal in Stellung
REUTERS
Treffen in Singapur: Vor dem Treffen zwischen Kim und Donald Trump am Dienstag gehen Comedians schon mal in Stellung

Mit wütenden Tweets hat US-Präsident Trump seine Verbündeten der G7 brüskiert. Nun legt er von Singapur aus mit scharfer Kritik an Deutschland nach.

US-Präsident Donald Trump hat Deutschland erneut offen wegen seiner geringen Verteidigungsausgaben im Nato-Verbund kritisiert. "Deutschland zahlt ein Prozent des Bruttoinlandsproduktes (langsam) in Richtung Nato, während wir vier Prozent von einer weit größeren Wirtschaftsleitung zahlen", schrieb Trump von Singapur aus auf Twitter. "Glaubt irgendjemand, dass das Sinn macht?", fragte Trump.

Die USA trügen einen Großteil der Nato-Kosten zum Schutz von Ländern, die im Gegenzug auf Kosten der Vereinigten Staaten Handel trieben. "Sie zahlen nur einen Bruchteil der Kosten und lachen uns aus", schrieb Trump. "Wir beschützen Europa zu großen finanziellen Kosten, und dann werden wir beim Handel auf unfaire Weise geschröpft", fuhr Trump fort. "Veränderung kommt!".

Trump war vor seinem Aufbruch nach Singapur, wo er sich zu einem historischen Gipfel mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un treffen wird, vorzeitig vom G7-Gipfel in Kanada abgereist.

Seine Zustimmung zu einer gemeinsamen Abschlusserklärung hatte er aus Ärger über Äußerungen von Kanadas Premierminister Justin Trudeau zurückgezogen und damit einen Eklat verursacht sowie das gesamte G7-Format in eine Krise gestürzt.

        6 gegen 1:        Die USA isolieren sich von der Staatengemeinschaft. Trump sucht statt dessen die Nähe zu Putin und Kim Jong Un.
DPA/ Bundesregierung
6 gegen 1: Die USA isolieren sich von der Staatengemeinschaft. Trump sucht statt dessen die Nähe zu Putin und Kim Jong Un.

Trump gab sich unterdessen vor dem Treffen mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un zuversichtlich. "Ich glaube einfach, es wird gut laufen", sagte er am Montag in Singapur nach einem Treffen mit Ministerpräsident Lee Hsien Loong. Nach US-Angaben sollten Unterhändler im Laufe des Tages das Treffen Kim und Trump vorbereiten. Aus Regierungskreisen verlautete, dabei solle etwa noch eine Annäherung bei der Frage erzielt werden, was mit "Denuklearisierung" der koreanischen Halbinsel gemeint sei.

Trump war am Sonntag direkt von dem kontroversen G7-Treffen in Kanada nach Singapur geflogen. Stunden zuvor war Kim in einem Flugzeug angekommen, das von China geliehen worden war.

Beide Männer wurden jeweils von Außenminister Vivian Balakrishnan begrüßt. Es ist Kims weiteste Auslandsreise seit seiner Machtübernahme. Die Gespräche selbst sollen in einem Hotel auf der Insel Sentosa stattfinden. Es wäre das erste Mal, dass ein amtierender US-Präsident und ein Machthaber des abgeschotteten Nordkorea sich treffen. Der Beginn des ersten Treffens ist für 09.00 Uhr (Ortszeit, 03.00 Uhr MESZ) angesetzt. Aus US-Kreisen verlautete, es könne bis zu zwei Stunden dauern.

Die staatliche nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA berichtete über den Ablauf des Treffens. Unter anderem werde es um einen "dauerhaften und beständigen Mechanismus zur Friedenssicherung" gehen. Ein weiteres Thema sei die atomare Abrüstung sowie andere Bereiche des gegenseitigen Interesses. Kim werde von Außenminister Ri Yong Ho, Verteidigungsminister No Kwang Chol und seiner Schwester Kim Yo Jong begleitet.

Trump kam mit Außenminister Mike Pompeo, dem Nationalen Sicherheitsberater John Bolton und Stabschef John Kelly in Singapur an. Der US-Präsident hat eine Friedenserklärung ins Gespräch gebracht - 65 Jahre nach dem Ende der Kampfhandlungen im Korea-Krieg. Unklar blieb im Vorfeld des Gipfels allerdings, was genau mit einer atomaren Abrüstung auf der Halbinsel gemeint ist. Nordkorea hat damit in der Vergangenheit einen Abzug der US-Atomwaffen gefordert. Experten haben sich skeptisch gezeigt, dass die Regierung in Pjöngjang ihre Kernwaffen ganz aufgeben wird.

la/dpa/reuters

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