24.01.2018  Kanada gibt TPP-Beitritt bekannt

Trudeaus perfektes Timing stellt Trump blank

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"America First": Trump hat mit einer weiteren Unterschrift Strafzölle gegen Produkte aus Asien verhängt
AP
"America First": Trump hat mit einer weiteren Unterschrift Strafzölle gegen Produkte aus Asien verhängt

Es war eine starke Botschaft, und der Zeitpunkt von Justin Trudeau in zweifacher Hinsicht perfekt gewählt: Genau vor einem Jahr hatte US-Präsident Donald Trump als erste Amtshandlung ein Dekret zum Ausstieg der Weltmacht aus dem Freihandelsabkommen TPP unterschrieben, da gab der junge und weltoffene Premier am späten Dienstagabend bekannt, sein Land habe in Tokio soeben diesem transpazifischem Abkommen mit zehn weiteren asiatischen Staaten zugestimmt.

Es sei ein "fortschrittliches Abkommen" und gut für alle Kanadier, sagte Trudeau. "Diese Vereinbarung erfüllt unsere Ziele, Wachstum, Wohlstand und gut bezahlte Arbeitsplätze in der Mittelklasse zu schaffen und zu erhalten - heute und für kommende Generationen."

Neben Kanada gehören dem Abkommen Australien, Brunei, Chile, Japan, Malaysia, Mexiko, Neuseeland, Peru, Singapur und Vietnam an. Die Staaten verpflichten sich mit ihrer in Kürze erwarteten Unterschrift, dass sie Handelsbeschränkungen und Zölle abbauen. Nur wenige Stunden zuvor hatte Trump ein weiteres Dekret für Strafzölle gegen Produkte aus Asien unterschrieben und öffentlich als Erfolg für US-Unternehmen und die Arbeiter in Amerika gefeiert.

Justin Trudeau
AFP
Justin Trudeau

Kanada tritt diesem Abkommen zu einem Zeitpunkt bei, wo die USA drohen, sich auch aus dem nordamerikanischen Freihandelsabkommen "Nafta" zurückzuziehen. Fast drei Viertel seines Handels wickelt Kanada mit den angrenzenden USA ab.

Nafta ist das weltgrößte Freihandelsabkommen mit einem riesigen gemeinsamen Binnenmarkt von etwa 460 Millionen Menschen. Das Abkommen war 1994 geschlossen worden und soll derzeit mit Kanada und Mexiko neu verhandelt werden. Trump droht bei einem Scheitern der Verhandlungen, Nafta zu kündigen. "Die Tür steht weiter offen", sagte Trudeau mit Blick auf die USA.

Zuvor hatte bereits Indiens Premier Narenda Modi in seiner Eröffnungsrede die USA für ihre "America-First"-Politik kritisiert. "Die Kräfte des Protektionismus erheben ihre Köpfe gegen die Globalisierung", hatte Modi gesagt.

Obwohl Trumps Protektionismus diametral der Überzeugung der meisten Davos-Teilnehmer widerspricht, reist er als erster US-Präsident seit Bill Clinton im Jahr 2000 in den Schweizer Alpenort. Am Freitag will er dort eine mit Spannung erwartete Rede halten.

Mit ap

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