31.05.2018 
Riesenüberschuss der Exportnation verschwindet

Überraschung! China hat ein Defizit in der Leistungsbilanz

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Produktion von Spielzeugpandas in Ostchina
AFP
Produktion von Spielzeugpandas in Ostchina

Aus Sicht von Donald Trump ließe sich die Meldung wohl als Erfolg verbuchen: Zum ersten Mal seit 17 Jahren ist Chinas Leistungsbilanz leicht negativ. Mit den jahrelangen riesigen Überschüssen verschwindet die große Unwucht der Weltwirtschaft, die aus Trumps Sicht vor allem Amerika schadete - und das noch bevor seine Regierung sich mit der chinesischen Führung auf ausgleichende Maßnahmen einigte. Das bloße Drohen mit einem Handelskrieg hat anscheinend gereicht.

Unterm Strich sind im ersten Quartal 2018 nach Angaben der staatlichen Außenhandelsverwaltung 28,2 Milliarden Dollar (rund 1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts) ins Ausland abgeflossen. Zuletzt gab es ein Defizit im zweiten Quartal 2001, als China gerade erst der Welthandelsorganisation beitrat und so seine gewaltige Exportmaschine in Gang setzte.

Die Behörde verweist zwar auf saisonale Sonderfaktoren zu Jahresbeginn, die man nicht überbewerten solle. Ökonomen sehen aber durchaus Zeichen eines größeren Wandels. "China könnte das Jahr durchaus noch mit einem Überschuss beenden, aber der wird sehr bescheiden ausfallen", schreibt der Herausgeber des "Journal of Economic Perspectives", Timothy Taylor, in seinem Blog.

Das Verschwinden des Überschusses werde "die Weltwirtschaft verändern", behauptet der "Economist". Die Leistungsbilanz messe die Differenz zwischen Ersparnissen und Investitionen im Inland. China, das bisher zwar gewaltig investierte, aber noch weit darüber hinaus sparte, habe den lang erhofften Wandel zu einer besser ausbalancierten Wirtschaft mit höherem Konsumanteil offenbar geschafft.

Das bedeutet auch: Statt Kapital in großen Mengen in den Rest der Welt zu schicken oder Billionenreserven zu bilden, dürfte das Land stärker dazu neigen, sich auch mal Geld zu leihen.

Die Leistungsbilanz enthält neben der Handelsbilanz aus dem reinen Warenhandel auch die Dienstleistungsbilanz (die schon zuvor negativ war, unter anderem wegen der größeren Zahl chinesischer Touristen und des allgemeinen Trends zu mehr Nachfrage aus China an externen Services nun jedoch die Handelsbilanz übertrifft) sowie die Bilanz von Erwerbs- und Vermögenseinkommen sowie grenzüberschreitenden Transfers.

Die politische Debatte um Handelskriege dreht sich allerdings allein um die Handelsbilanz. Dass die USA ein führender Exporteur von Dienstleistungen sind, wird meist ausgeblendet. Doch auch der Handelsbilanzüberschuss Chinas ist nun 35 Prozent geringer als zuvor.

"Über die Handelsbilanz als Maß für Unfairness zu denken, ist wirtschaftlicher Analphabetismus", lästert Taylor. Das könne man schon an den Schwankungen in Chinas Bilanz sehen: Sei das Land etwa bis in die 90er Jahre fair gewesen, dann plötzlich ziemlich unfair, und jetzt auf einmal wieder fairer?

Aus Trumps Sicht ist das vielleicht tatsächlich die Antwort. Aber es gibt ja auch ein neues Ziel: Europa.

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