09.03.2018  Chinas Bosse - Teil 3

Der undurchsichtige Herr Chen von der HNA

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 Kein "einfaches" Leben: HNA-Chef Chen Feng, der so rätselhaft und undurchsichtig wirkt wie die HNA-Gruppe selbst, beschreibt sein Kaufverhalten, als stünde er auf dem Wochenmarkt: "Du siehst so viel frisches Gemüse, du probierst und kaufst dieses und jenes."
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Kein "einfaches" Leben: HNA-Chef Chen Feng, der so rätselhaft und undurchsichtig wirkt wie die HNA-Gruppe selbst, beschreibt sein Kaufverhalten, als stünde er auf dem Wochenmarkt: "Du siehst so viel frisches Gemüse, du probierst und kaufst dieses und jenes."

2. Teil: IT, Banken, Immoblien, Flughäfen - warum das alles?

Warum die Übernahme des amerikanischen IT-Konzerns Ingram Micro für 6 Milliarden Dollar? Warum der Kauf des Gebäudes 245 Park Avenue für 2,2 Milliarden Dollar, eine der höchsten Summen, die je für einen Wolkenkratzer in New York bezahlt wurde? Warum das sündhaft teure Überbieten bei den Grundstückskäufen auf dem Gelände des alten Hongkonger Flughafens Kai Tak? Warum erwarben sie eine 25-Prozent-Beteiligung an Old Mutual Asset Management für 445 Millionen Dollar?

Und - in Deutschland heiß diskutiert - warum der scheibchenweise Einstieg bei der Deutschen Bank? Erst 3, dann 4,8 und schließlich 9,92 Prozent. Man blieb wohl bewusst unter der 10-Prozent-Marke, denn jenseits dieser Grenze hat die Aufsichtsbehörde Bafin das Recht, den Einsteiger etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Bafin-Chef Felix Hufeld urteilt hier ziemlich blauäugig: "Wir halten das grundsätzlich für eine positive Geschichte." Es gebe keine schwarze Liste für bestimmte Investoren, auch nicht für solche aus China.


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Aber immerhin prüft die Europäische Zentralbank, ob sie HNA einem sogenannten Inhaberkontrollverfahren unterziehen soll. Mittlerweile ist selbst dem Topmanagement der neue Großaktionär HNA ziemlich suspekt. Deutsche-Bank-Chef John Cryan weigerte sich bislang, CEO Tan Xiangdong (Adam Tan) zu treffen.

Solange die Investments im Bereich der Luftfahrt und der Touristik blieben, konnte man die Strategie ja noch nachvollziehen. Das ergab ja alles Sinn. HNA war auf dem Weg zu einem globalen Touristik- und Logistikkonzern. Aber was soll das Engagement bei der Deutschen Bank? Hat das HNA-Topmanagement eine Strategie?

Unternehmensberater Edward Tse sagt: "Wenn es bei HNA eine Strategie gibt, dann die, möglichst viel im Ausland zu kaufen.

Kaufverhalten wie auf dem Wochenmarkt

"CEO Tan Xiangdong, der einen amerikanischen MBA besitzt, hat eine einfache Erklärung: "Wir bewegen Leute - das ist unser Luftfahrt- und Tourismusgeschäft. Dann bewegen wir Waren, das ist unser Logistikgeschäft. Und als Nächstes bewegen wir Kapital, deshalb der Einstieg in den Finanzbereich."

Chen selber vergleicht sein Kaufverhalten mit dem auf einem Wochenmarkt: "Du siehst so viel frisches Gemüse, du probierst und kaufst dieses und jenes." Eine neue Theorie? Management by Wet Market?

Offenbar wird einfach nur Umsatz gekauft. Harvard-Professor William Kirby, der Chen seit Jahren kennt, sagt: "Dies ist ein unglaublich ambitiöses Unternehmen. Chens Ziel ist es, 2025 zu den Top-Ten-Unternehmen der Welt zu gehören." Über 30 Milliarden Dollar gab HNA in den vergangenen Jahren für Übernahmen und Beteiligungen aus. Da muss die Frage erlaubt sein: Woher kommt das viele Geld? Ein erfahrener ausländischer Banker sagte gegenüber der Financial Times: "Wir verstehen nicht, woher das Geld kommt." Die größten Kreditgeber sind wieder mal die zwei großen staatlichen Entwicklungsbanken China Development Bank und Exim-Bank. Aber auch die China Construction Bank ist dabei. Laut New York Times haben Chinas Staatsbanken dem Unternehmen 60 Milliarden Dollar geliehen.

Der Nachrichtendienst Bloomberg berichtet, dass sich HNA auch auf dem Markt der Schattenbanken mit Krediten eingedeckt habe. Das ist an sich nicht illegal, aber für ein Unternehmen dieser Größenordnung ist es ungewöhnlich, sich dort zu bedienen.

Chinas Bosse
Unsere unbekannten Konkurrenten

Inzwischen sind viele Banken vorsichtig: Goldman Sachs stieg aus einem IPO-Projekt für HNA aus. Die Bank of America entschied, keine Geschäfte mit HNA zu machen. Auch chinesische Banken werden zurückhaltender. Drei von ihnen gaben an, an HNA keine weiteren Kredite zu geben. Eine vierte reduzierte ihre Kreditlinie.

Der Rückzug der Banken hatte auch mit der zunehmenden Kritik an dem undurchsichtigen Gebilde HNA zu tun. Bis heute ist eigentlich unklar, wer genau die Eigner sind. Das Konglomerat besteht aus einem Geflecht von vielen Unternehmen. The Beijing News berichtet von 454 Töchtern in der ganzen Welt. The New York Times hat nach einer umfangreichen Recherche etwas Klarheit geschaffen: Nicht weniger als 18 börsennotierte Gesellschaften sind unter dem Dach der HNA Group versammelt. Aber: "Zu verstehen, wie diese Firmen zusammenarbeiten und wer diese HNA Group kontrolliert, ist eine Herausforderung", schreibt die Zeitung.

Ende Juli 2017 lüftete HNA selbst das Geheimnis: 47,5 Prozent der Gruppe werde von einer Gruppe von zwölf Spitzenmanagern, einschließlich des Gründers Chen Feng und Wang Jian - kontrolliert, 52 Prozent von zwei Stiftungen - eine in China, die andere in New York - namens Cihang. 29,5 Prozent von Hainan Cihang Charity Foundation (New York), 22,75 Prozent von Hainan Province Cihang Foundation (China).

Seit Ende 2017 leitet der ehemalige Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler die New Yorker Dependance dieser Stiftung. Ist er nur ein Strohmann? Denn: Wer hinter diesen Stiftungen steckt, ist weiterhin unklar.

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