07.12.2017  Rasant steigender Stromverbrauch für Kryptogeld

Wie der Bitcoin-Boom die globale Energiewende bedroht

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Kohlekraftwerk in China
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Kohlekraftwerk in China

Es fehlt nicht mehr viel, dann verbraucht die Bitcoin-Welt für die Produktion ihrer virtuellen Währung so viel Strom wie die gesamte dänische Volkswirtschaft. Auf 32,4 Terawattstunden schätzt der "Digiconomist" Alex de Vries den Jahresverbrauch, Stand Mittwoch. Dänemark konsumiert 33 Terawattstunden im Jahr. Vor zwei Wochen zeigte der "Bitcoin Energy Consumption Index" 29,5 Terawattstunden an, immerhin schon so viel wie Marokko. Noch im Sommer kursierten Warnungen, Bitcoin könne bald so energiehungrig werden wie Dänemark - im Jahr 2020.

Weil damit kaum mehr als 400.000 Transaktionen pro Tag bewältigt werden, wurde bisher vor allem die Ineffizienz des Systems kritisiert - Bitcoin als Energieverschwender im Vergleich zu herkömmlichen Zahlungssystemen. Das enorme Wachstum im Gefolge der Preisrally ruft jetzt aber auch Klimaschützer auf den Plan. "Bitcoin könnte uns um unsere Zukunft mit sauberer Energie bringen", warnt der Meteorologe Eric Holthaus im Magazin "Grist".

Noch fällt die Kryptowährung auf dem globalen Strommarkt kaum ins Gewicht. Aber wenn die Prognosen de Vries' stimmen, wird für Bitcoin schon im Juli 2019 so viel Strom benötigt wie heute für die USA - und im Februar 2020 so viel wie heute für die ganze Welt. "Das kann einfach nicht so weitergehen", folgert Holthaus.

Der Grund für den Energiehunger ist konstruktionsbedingt: Bitcoins entstehen durch so genanntes Schürfen, bei dem Computer immer komplexere Rechenaufgaben lösen. Je mehr Rechen-Power sich an dem Prozess beteiligt, umso komplexer wird die Rechnung. Neue Bitcoins lassen sich nur noch mit extrem schnellen speziellen Prozessoren erzeugen, die meist in großen Server-Farmen extra für diesen Zweck eingebaut sind. Heim-PCs können in dem Wettbewerb schon lange nicht mehr mithalten.


Erklärvideo von manager magazin und Mynd: So funktionieren Kryptowährungen


Die Hoffnung der Bitcoin-Gemeinde, den wachsenden Stromverbrauch zu bremsen, beruht auf dem technischen Fortschritt der Chip-Industrie. Kryptogeld-Schürfmaschinen der aktuellen Generation (ASIC für Application-Specific Integrated Circuits) benötigen halb so viel Energie für dieselbe Rechenleistung wie zwei Jahre alte Maschinen, die wegen der unökonomischen Kosten gar nicht mehr zum Einsatz kommen.

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