07.12.2017  Rasant steigender Stromverbrauch für Kryptogeld

Wie der Bitcoin-Boom die globale Energiewende bedroht

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Kohlekraftwerk in China
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Kohlekraftwerk in China

3. Teil: Der Stromverbrauch treibt den Bitcoin-Preis mit

Freilich werden nicht alle Bitcoins mit Kohlekraft hergestellt. In der südchinesischen Provinz Sichuan nutzen die Miner billigen Strom aus riesigen Wasserkraftwerken. Neuerdings häufen sich auch Meldungen von Firmen, die Wasserkraft in Nordamerika oder Nordeuropa zum Bitcoin-Mining nutzen wollen.

Doch letztlich entscheidet der Preis. Der Run auf Bitcoin hat auch schon dazu geführt, dass Mining-Farmen in Venezuela illegal Stromleitungen anzapften und so zeitweise Blackouts im Stromnetz verursachten; ein Tesla-Besitzer in den USA zweckentfremdete die gebührenfreie Energie von der firmeneigenen Ladesäule, um in seinem Elektroauto eine Bitcoin-Mine einzurichten.

Im großen Stil jedoch scheint der mongolische Kohlestrom die derzeit ökonomischste Lösung zu sein. Noch fällt der Stromverbrauch der Bitcoin-Miner im Vergleich zu Chinas gewaltigem Energiehunger kaum auf - und noch ist fraglich, ob er reicht, um den Trend der vergangenen zwei Jahre von geringerer Elektrizitätsnachfrage dank beispielsweise geschlossener Stahlwerke zu brechen.

Vorerst kann China sich rühmen, den Kohleverbrauch und damit den CO2-Ausstoß insgesamt zu drosseln. Das ist der wohl wichtigste Faktor der globalen Energiewende, um den Klimawandel in den Griff zu bekommen.

Doch was, wenn der Bitcoin-Boom so weitergeht? Der Energieaufwand pro Bitcoin würde weiter dramatisch ansteigen, dann würde sich das Mining nur bei weiter erheblich steigenden Preisen lohnen. Citigroup-Analyst Christopher Chapman schätzt, dass Bitcoin in fünf Jahren auf 300.000 bis 1,5 Millionen Dollar steigen müsste, um die Miner vor dem Aufgeben zu bewahren. Das wiederum würde unzweifelhaft weitere Glücksritter anlocken - und für noch mehr Mining-Aufwand sorgen. Chapman schob allerdings nach, dass es schlichtweg unmöglich wäre, dass Bitcoin die Ressourcen der Welt in diesem Ausmaß aufsaugt.

Alex de Vries hält es für nötig, das Belohnungssystem von Bitcoin grundlegend umzustellen. "Proof-of-stake" statt "proof-of-work", so wie es auch in der alternativen Kryptogemeinde Ethereum erwogen wird. Da keine zentrale Instanz Bitcoin reguliert, wäre ein solches Softwareupdate aber nur im Konsens der Miner, die nun viel zu verlieren haben, möglich - oder mit einer weiteren Spaltung der Gemeinde.

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