23.03.2017  Immobilienboom verdrängt Amerikas Mitte

Sogar in der Ruinenstadt Detroit wird Wohnen zum Luxus

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Das ist wohl der unwahrscheinlichste Ort für einen Immobilienboom in den Vereinigten Staaten: Detroit, von einst zwei Millionen Einwohnern auf nur noch ein Drittel davon geschrumpft, kämpfte bislang mit einem Überangebot leer stehender Häuser.

Die für die bisher größte Kommunalpleite bekannte Stadt ist sogar stolz auf ihr Abrissprogramm, das bisher 11.000 Immobilien platt gemacht hat und sich noch dreimal so viele vornimmt. Als Erfolg gilt, dass die Dumping-Preise sich etwas erholen - auf jetzt knapp 38.000 Dollar für ein Durchschnittshaus innerhalb der Stadtgrenzen.

Und doch macht sich schon wieder die gegenteilige Sorge breit: dass Wohnen zu teuer werde. Wie das "Wall Street Journal" berichtet (kostenpflichtig), befinden sich derzeit 2000 Luxusapartments in Bau. Gemessen an der Größe der Stadt, ist das vergleichbar mit New York City.

Alles konzentriert sich auf die kleine Downtown, wo die Wohnungen zu 99 Prozent belegt seien und die Miete im Neubau normalerweise 2000 Dollar pro Monat betrage. Stadtverantwortliche, Sozialexperten, Mieteraktivisten und auch Kreditgeber fürchten bereits die Verdrängung der alteingesessenen Bevölkerung.

Die alte Autoindustrie tritt wieder selbstbewusst auf

Und das im Epizentrum des Rust Belt, der doch gerade mit dem Impetus der Abgehängten und Hoffnungslosen Donald Trump zum Sieg bei der Präsidentschaftswahl in den USA verholfen hat.

Wieder "great again" ist unter anderem die Autoindustrie, deren große drei Vertreter Ford , General Motors und Fiat Chrysler in und um Detroit sitzen. Das verdankt sie zum einen der teuren staatlichen Rettung unter Trumps Vorgänger Barack Obama, zum anderen aber der seitdem wieder deutlich erholten Konjunktur im Land.

Neuerdings treten die etablierten Konzerne wieder so selbstbewusst auf, dass sie auch bei Zukunftsthemen wie dem Autonomen Fahren darauf hoffen, die Disruptoren aus dem Silicon Valley aus dem Feld zu schlagen. In Michigan haben sie neben der langjährig geübten Kompetenz auch genug Platz für Experimentierfelder.

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Gerade die niedrigen Lebenshaltungskosten haben seit der Krise auch etliche Startups nach Detroit gelockt, die wie der Online-Kreditvermittler Quicken Loans teils tausende Jobs im Stadtzentrum schufen. Nur wollen die jungen Kreativen jetzt auch in der schick aufgenobelten Gegend, in Laufweite zum Job wohnen.

Im Vergleich zur Westküste bleibt Detroit aber wohl noch auf lange Sicht spottbillig - und dürfte noch mehr hochtalentierte Flüchtlinge vor der dortigen Kostenspirale anlocken.

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