17.02.2017  Ölreichtum fließt in Haushalt ab

Norwegen fürchtet um seinen Staatsfonds

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Quell der Sorgen: Gasbohrinsel vor Stavanger
DPA
Quell der Sorgen: Gasbohrinsel vor Stavanger

Vom Rest der Welt aus gesehen, wirkt Norwegen wie das Reich der Glückseligen. Die Pro-Kopf-Einkommen sind höher als in der Schweiz. Die Arbeitslosenrate liegt unter 5 Prozent. Staatshaushalt und Außenhandel fahren regelmäßig dicke Überschüsse ein.

Und für schlechte Zeiten ist vorgesorgt: Der aus Öleinnahmen gespeiste "Statens Pensjonsfond Utland" ist mit 7,5 Billionen Kronen (850 Milliarden Euro) der größte Staatsfonds der Welt, ein Neidobjekt bis nach Saudi-Arabien. Bewusst investiert die Zentralbank das Geld außerhalb der eigenen Volkswirtschaft, in fast alles außer die fossilen Brennstoffe, die Norwegen überhaupt erst reich gemacht haben. Das Land soll bloß nicht überhitzen, und der Globus auch nicht.

Doch die schlechten Zeiten seien nah, warnt nun Zentralbankgouverneur Øystein Olsen. Denn die Öleinnahmen sind durch den gesunkenen Preis rückläufig. Zugleich zapfte der Staat unter Erna Solbergs Rechtsregierung 2016 erstmals fast hundert Milliarden Kronen aus dem Fonds ab, um den laufenden Haushalt zu bestreiten. In diesem Jahr soll noch mehr Geld abfließen, um Staatsausgaben zu decken und die norwegische Wirtschaft vor einer Rezession zu bewahren.

Wenn das so weiter gehe, wachse die Gefahr, dass dem Staatsfonds das Kapital ausgehe, warnt Olsen. Umso mehr, wenn die Aktienquote von derzeit maximal 60 Prozent auf bis zu 75 Prozent erhöht würde, wie derzeit diskutiert. Im Fall einer globalen Rezession, rechnet der Zentralbanker vor, bestehe eine 6-prozentige Wahrscheinlichkeit, dass das Eigenkapital des Fonds in zehn Jahren um die Hälfte sinke.

Anderswo würde man mit dieser Aussicht wohl noch nicht unruhig schlafen. Der Fonds ist immer noch flüssig genug, um Geld auszuzahlen, ohne Vermögenswerte zu verkaufen. Im Gegenteil gehen ihm die Anlagemöglichkeiten aus, solange der Aktienanteil an keinem Unternehmen über die Schwelle eines strategischen Investments steigen darf.

Olsen hofft aber, dass seine Aussagen die Politik disziplinieren. Die mitregierende rechtspopulistische Fortschrittspartei hatte stets gefordert, das reiche Norwegen müsse sich billiges Benzin und gute Straßen leisten können. "Wir brauchen eine langfristige fiskalische Strategie", fordert Olsen.

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