27.01.2017  Dänische Negativzins-Pioniere im Glück

Fünf Jahre Minuszinsen - und Sparern geht es gut wie nie

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Hier scheint das Experiment mit negativen Zinsen gelungen: Europas Kulturhauptstadt Aarhus
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Hier scheint das Experiment mit negativen Zinsen gelungen: Europas Kulturhauptstadt Aarhus

Dänemark ist das glücklichste Land der Welt, besagen mehrere internationale Studien. Zugleich sind die Skandinavier das Volk mit der längsten Erfahrung mit negativen Zinsen. Schon 2012 - lange bevor derart radikale Schritte von der Europäischen Zentralbank erwogen wurden - startete die Dänische Nationalbank das Experiment, Einlagen von Banken mit Abschlag zurückzuzahlen.

Das Thema treibt Sparern typischerweise die Galle hoch. Doch fünf Jahre nach Beginn der Minuszins-Ära ist das dänische Glück immer noch ungetrübt - und zwar auch aus Sicht der dortigen Sparer, wie ein "Bloomberg"-Bericht hervorhebt.

Demnach hören die Sparguthaben nicht auf, zu wachsen. Das aktuelle Rekordniveau der Einlagen belaufe sich auf 812 Milliarden Kronen (109 Milliarden Euro), umgerechnet gut 19.100 Euro also für jeden Einwohner vom Säugling bis zum Greis. Auch inflations- und saisonbereinigt besäßen die Dänen so viel Guthaben wie noch nie.

Der von "Bloomberg" befragte Ökonom Tore Stramer von der Nykredit-Bank erklärt das vor allem mit den stetig und kräftig wachsenden Löhnen - der billige Kredit gibt der Wirtschaft genug Auftrieb. Nebenbei steige mit den Hauspreisen das Vermögen der Dänen. Außerdem schreckten die meisten Banken davor zurück, die Minuszinsen, die sie selbst auf ihre Einlagen bei der Zentralbank zahlen müssen (derzeit -0,65 Prozent), von den Sparkonten ihrer Kunden zu verlangen.

Es ist schlicht so viel Geld in Umlauf, dass es irgendwo hin muss. Neben den Sparbüchern füllen sich auch Investmentfonds. Das Geld fließt inzwischen so üppig, dass die Dänen beginnen, ihre private Schuldenlast - weltweit die höchste, vor allem zur Eigenheimfinanzierung - zu senken. Und das, obwohl Schulden dank Nullzinsen und anziehender Inflation so attraktiv erscheinen wie noch nie.

"Die privaten Haushalte genießen so starken Rückenwind, dass sie sowohl ihren Konsum erhöhen, Schulden abtragen als auch ihr Vermögen steigern können", erklärt Bankökonom Stramer. Eine glückliche Situation - nur, weil die Nationalbank den Wechselkurs zum Euro stabil halten will, faktisch alsogar keine unabhängige Geldpolitik betreibt.

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