29.05.2018  Exklusiv - Welt-Handelsindex

Entspannung auf der Weltbühne - Welthandel legt zu

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Wieder mehr zu tun: Der Welthandel legt zu - Hafenarbeiter wie hier in Hamburg können sich freuen.
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Wieder mehr zu tun: Der Welthandel legt zu - Hafenarbeiter wie hier in Hamburg können sich freuen.

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Auf der Weltbühne gibt es derzeit ein ständiges Hin und Her. Zum Beispiel beim Thema USA/Nordkorea und dem geplanten Gipfel der beiden Staatschefs Donald Trump und Kim Jong-un. Nachdem das Treffen zunächst auf den 12. Juni in Singapur angesetzt war, hatte es US-Präsident Trump in der vergangenen Woche mit großer Geste eigentlich abgesagt.

In dieser Woche dann die erneute Kehrtwende: Trump hält das Treffen mit dem nordkoreanischen Machthaber nun wieder für möglich, angeblich befindet sich bereits ein US-amerikanisches Team zur Vorbereitung des Events in Nordkorea.

Ähnlich wechselhaft erscheint das Geschehen im Handelskonflikt zwischen den USA und dem Rest der Welt, insbesondere China sowie die EU. Nachdem die erste Frist verstrichen war, hieß es zunächst, die erhöhten Zölle auf Stahl und Aluminium würden auch für Unternehmen aus der Europäischen Union gültig. In dieser Woche jedoch schürt Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier neue Hoffnungen für hiesige Konzerne.

Der CDU-Politiker kündigte an, am Rande einer OECD-Konferenz am Mittwoch und Donnerstag in Paris noch einmal "intensive Gespräche" mit US-Handelsminister Wilbur Ross führen zu wollen. Ziel solle ein "Deal" im Interesse beider Seiten sein, so Altmaier.

Auch zwischen China und den USA hatte sich die Lage in den letzten Wochen zunächst entspannt. Der Grund war, dass China signalisiert hatte, bestehende Zölle reduzieren zu wollen.

Dann kam wiederum die Wende: US-Präsident Trump machte klar, dass die Versprechungen aus China nur ein erster kleiner Schritt sein könnten. Außerdem drohte er mit neuen Zöllen auf importierte Autos, eine Maßnahme, die insbesondere die deutschen Exportindustrie treffen würde.

Der ständige Richtungswechsel bei den wichtigen geopolitischen Themen spiegelt sich offenbar unmittelbar in den internationalen Handelsbeziehungen wieder. Das lässt jedenfalls der Welt-Handelsindex vermuten, den das Institut für Kapitalmarktanalyse (IfK) in Köln regelmäßig berechnet, und den manager magazin online exklusiv präsentiert.

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Der Index befand sich eigentlich auf einem aufsteigenden Trend, bis die Handelsstreitigkeiten zwischen den USA und dem Rest der Welt zu einer Eintrübung führten. Zuletzt jedoch hat sich die Lage offenbar erneut entspannt: Der Index stieg im vergangenen Monat von 77,7 Punkten auf 80,2 Punkte.

Geht es nach den Experten vom IfK, so kann der Index nun zunächst einmal seinen Aufwärtstrend beibehalten. "Die Chancen stehen gut, sofern wir nicht mit hoher Geschwindigkeit die nächsten Eskalationsstufen im geo- oder handelspolitischen Kontext erklimmen, dass in den kommenden Monaten der Welthandel wieder an Stärke zulegen sollte und damit seiner Funktion als Gradmesser für die Weltwirtschaft gerecht wird", sagt Markus Zschaber, Chef der gleichnamigen Vermögensverwaltung in Köln sowie es dazugehörigen IfK. "Fakt ist, die Nachfrage nach Laderaum und Frachtkapazitäten übersteigt in eigentlich allen vier Handelssegmenten - Luftfahrt, Lkw, Schiene und Schiff - das Angebot", so Zschaber.

Belebung erhält der Welthandel laut Zschaber momentan vor allem aus den USA sowie Asien. Insbesondere China fungiere als starker Motor, angetrieben von einer vermehrten Nachfrage aus den USA, Europa und anderen asiatischen Ländern. "Das chinesische Importvolumen stieg um 21,5 Prozent alleine zum Vorjahresmonat und demonstriert die starke Position Chinas", so Zschaber.

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Europa dagegen hinkt nach Angaben des Experten dem Rest der Welt derzeit ein wenig hinterher. Zwar zeige sich in den letzten Wochen eine erste Belebung des Handels mit Asien und den USA. Allerdings konnten noch nicht die Niveaus von Anfang des Jahres erreicht werden, so die Analyse des IfK.

"Gerade Deutschland kommt noch nicht so richtig in Fahrt", sagt Zschaber. "Dies sollte sich aber bei zunehmender Konjunkturdynamik in Asien und rund um China, sowie in den USA, in den kommenden Wochen ändern."

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