19.07.2017  Exklusiv: Welthandelsindex

So verschwindet das Gespenst Trump vom Devisenmarkt

Von
Mal mehr, mal weniger wert: Euro- und Dollar-Note
REUTERS
Mal mehr, mal weniger wert: Euro- und Dollar-Note

Getty Images

Monatelang standen die Devisenmärkte unter dem Eindruck von US-Präsident Donald Trump und dessen angekündigter Politik eines neuen amerikanischen Protektionismus und einer Einschränkungen des freien Handels. Die Folge war ein starker Dollar und zahlreiche andere Währungen - darunter auch der Euro -, die unter Druck gerieten.

Doch damit ist nun offenbar Schluss: Verschiedene Bewegungen an den Märkten zeigen, dass die Investoren Trumps Ankündigungen, in denen es beispielsweise um Handelsschranken, Strafzölle und andere Importeinschränkungen aus Sicht der USA ging, offenbar keinen großen Glauben mehr schenken.

Bester Beleg dafür ist der Kurs des Mexikanischen Peso. Die Währung galt lange Zeit als "Trump-Indikator", weil sie durch dessen Pläne besonders stark unter Druck geraten war. Inzwischen ist davon jedoch keine Rede mehr: Der mexikanische Peso hat sich sogar weit über das Niveau vor den US-Wahlen hinaus erholt und ist so stark wie seit über einem Jahr nicht mehr.

Auch die US-Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) sieht Mexikos Kreditwürdigkeit angesichts einer gesunkenen Wahrscheinlichkeit eines Handelskonflikts mit den USA und einer stabilen Entwicklung der Staatsfinanzen nicht mehr in Gefahr. Der Ausblick für das langfristige Rating sei von negativ auf stabil angehoben worden, teilte S&P am Mittwoch mit. Die Bonitätseinschätzung selbst bleibe unverändert bei "BBB+" und damit im sogenannten Investmentbereich. Dies besagt, dass Mexiko nach wie vor als geeigneter Schuldner für eine sichere Geldanlage gilt.

       Der        Welt-Handelsindex        des Instituts für Kapitalmarktanalyse zeigt zunehmend angenehme Werte für den globalen Güterverkehr
manager magazin online
Der Welt-Handelsindex des Instituts für Kapitalmarktanalyse zeigt zunehmend angenehme Werte für den globalen Güterverkehr

Konkret hatte Trump angekündigt, das nordamerikanische Handelsabkommen Nafta aufzukündigen und Importe aus Mexiko mit hohen Strafzöllen zu belegen. Inzwischen spricht jedoch niemand mehr von einem Aus für Nafta. Stattdessen geht es um eine Überarbeitung. Man gehe inzwischen davon aus, dass sich die USA, Kanada und Mexiko auf ein neues Handelsabkommen einigen werden, das den bisherigen Austausch weitgehend erhalten werde, heißt es von S&P.

Ähnlich entspannt hat sich die Situation für die Euro-Zone - jedenfalls wenn man nach dem Kurs des Euro geht. Die Gemeinschaftswährung war nach Trumps Wahl ebenfalls kräftig abgerutscht. Mittlerweile gab es aber auch in diesem Fall eine Kehrtwende: Allein seit Anfang dieses Jahres hat der Euro gegenüber dem US-Dollar um mehr als 10 Prozent zugelegt. Er notiert inzwischen längst wieder stärker als noch kurz vor der Wahl Trumps zum Präsidenten.

Der Welt-Handelsindex ...

Die Entspannung am Devisenmarkt spiegelt sich in Zahlen wieder, die direkt das Geschehen im Welthandel abbilden: Der Welt-Handelsindex (WHI), den das Institut für Kapitalmarktanalyse (IfK) in Köln manager magazin online exklusiv zur Verfügung stellt, hat sich auch im vergangenen Monat erfreulich entwickelt.

Ein Trend, der laut IfK-Chef und Vermögensverwalter Markus Zschaber auch künftig anhalten dürfte. "Die Zuversicht ist zurück", so Zschaber. "Das billige Kapital sowie die hohen Geldreserven der Unternehmen finden endlich wieder den Weg zurück in den Konjunkturzyklus. Dieses sollte zu einem Ausbau der internationalen Wertschöpfungsketten führen."

Für das laufende Jahr sowie für 2018 und 2019 erwartet der Experte Wachstumsraten des Welthandels von mindestens 3 Prozent.

mit Material von dpa-afx

Mehr zum Thema