06.12.2017  Unmut in Osteuropa

Arm trotz Boom - Wie deutsche Konzerne Tschechen und Polen ausnutzen

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Nationalisten marschieren in Warschau
AP
Nationalisten marschieren in Warschau

2. Teil: "Die Belohnung ging überwiegend an Ausländer"

Noch deutlicher wird der Kontrast an der Vergütung von Arbeitnehmern. Hier erreichen die Ostmitteleuropäer nur zwischen 50 Prozent (Ungarn) und 59 Prozent (Tschechien) des Niveaus in der Euro-Zone.

"Durchschnittliche Haushalte haben nicht genug von den Früchten des Wachstums gesehen", folgert Tilford. "Die Belohnung ging überwiegend an die Kapitalbesitzer, und das heißt in diesen Ländern tendenziell an Ausländer." Das rechtfertige zwar keine Ausländerfeindlichkeit oder autoritäre Sehnsüchte, mache den wachsenden Unmut aber auch in wirtschaftlicher Hinsicht verständlich.

Volkswagen hat den Backlash bereits zu spüren bekommen, als die Beschäftigten in der Slowakei in diesem Sommer erstmals für eine deutliche Lohnerhöhung streikten - auch unter dem Hinweis ihres Ministerpräsidenten, dieselbe Produktivität wie in deutschen VW-Werken müsse auch genauso vergütet werden.

Tilford glaubt, dass die Westkonzerne eine gewisse Anhebung des Lohnniveaus durchaus mitmachen würden, ohne dem Standort Ost gleich wieder den Rücken zu kehren. Es sei aber fraglich, ob nach den einfachen Fabrikarbeiten auch Produktionsschritte mit höherer Wertschöpfung in die Visegrad-Staaten verlagert würden. Das wäre die notwendige Bedingung, um aus dem Boom der Direktinvestitionen dauerhaft steigenden Wohlstand zu machen.

Die Prognosen sehen eher schlecht aus. Nach Schätzung des Internationalen Währungsfonds holt der Osten in den kommenden Jahren schon nicht mehr gegenüber Westeuropa auf. Migration spielt dabei auch eine Rolle: Nach jahrelanger Auswanderung fehlt es vor allem an jungen Fachkräften. Den nationalistischen Führern traut Tilford keinen Ausweg aus der Misere zu. "Am wahrscheinlichsten tun sie nichts, um die Binnenkonjunktur zu stärken, vergraulen aber zugleich die Investoren."

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