26.07.2018 
Ex-Trump-Berater

Finanziert Steve Bannon Europas Rechte mit Krypto-Geld?

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Steve Bannon will politischen Aktivismus in Europa finanzieren.
REUTERS
Steve Bannon will politischen Aktivismus in Europa finanzieren.

Das Sentiment von Kryptowährungen passt zu ihm, findet der geschasste Trump-Berater Steve Bannon. Sie sollen etablierte Systeme aufbrechen, genau wie er selbst es mit radikalen Methoden will.

Seit seinem unrühmlichen Abgang aus dem Weißen Haus vor elf Monaten beschäftigt sich der 65-jährige Rechtspopulist intensiv mit den digitalen Münzen. Nicht nur besitze er Bitcoin. Auch seien die Währungen ein Instrument, um den Zentralbanken die Kontrolle abzujagen, so Bannon im Frühling auf einer Konferenz. "Das wird uns wieder die Macht geben."

Damit meint er die rechten Bewegungen, die er stark machen will. Wie, zeichnet sich immer deutlicher ab.

Der frühere Trump-Stratege verkündete vor wenigen Tagen, dass er an einer eigenen Kryptowährung arbeite. Beim konkreten Zweck blieb er vage. Nun hat sich ein Investor geäußert, der sich als Geschäftspartner Bannons bezeichnet: "Das Krypto-Projekt soll Finanzservices anbieten und politischen Aktivismus belohnen", so Jeffrey Wernick gegenüber dem Technologiemagazin "Wired". "Nicht von nur einer bestimmten Partei, sondern generell Aktivismus außerhalb des etablierten Systems."

Bannon denkt global

Wie genau die populistische Kryptowährung funktionieren soll, würden er und Bannon in den kommenden Wochen erarbeiten. Bannon kommentierte dies bisher nicht.

Die politische Richtung dabei ist eindeutig: Wernick erklärt, die Währung richte sich an die sogenannten "deplorables", was so viel wie Verachtens- oder Bedauernswerte bedeutet. So hatte Hillary Clinton Trump-Unterstützer im vergangenen Wahlkampf bezeichnet.

Bannon könnte sein Krypto-Projekt dazu nutzen, nicht nur Außenseiter in den USA zu unterstützen, sondern auch rechte Parteien in Europa. Wernick bestätigt der "Wired" globale Ambitionen.

Dafür sprechen weitere Pläne Bannons, die am Wochenende bekannt wurden. Der frühere Trump-Stratege ist dabei, eine neue Stiftung in Brüssel aufzusetzen, wie er "The Daily Beast" verriet. Ziel der Stiftung: eine rechte Revolution in Europa anfachen. Die einschlägigen Parteien sollen mit Ressourcen unterstützt werden - mit Meinungsumfragen, Datenanalyse, Kommunikationsberatung und natürlich Geld. Denn das fehlt den Randbewegungen.

"Ich regiere lieber in der Hölle, als im Himmel zu dienen"

Die Erfolge der Brexit-Bewegung und die jüngste Wahl in Italien, bei der europaskeptische und rechte Parteien triumphierten, haben Bannon demnach angespornt, denn sie wurden mit knappen Budgets erreicht. Sein Glaube: Mit genug Geld könne er die Parteien europaweit noch mächtiger machen. Die nächste Gelegenheit wittert Bannon bei den europäischen Parlamentswahlen kommenden Frühling.

Um seine Vision zu verwirklichen, traf Bannon in den vergangenen Monaten Populisten in Europa. Die Liste ist lang: Er sprach mit Mitgliedern von Marine Le Pens französischer Rassemblement National (früher: Front National), dem rechtsextremen britischen Aktivisten Tommy Robinson, dem ehemaligen UKIP-Führer Nigel Farage, Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban, Italiens Fünf-Sterne-Partei und polnischen Rechten. Die Nachricht: Ihr seid nicht allein.

Bannon stellt sich einen rechten Block im Europaparlament vor, der bis zu einem Drittel aller Mitglieder ausmachen könnte, so "The Daily Beast". Den Politikbetrieb könnte das immens stören, Bannon gewänne Einfluss. Er sagte dem Medium: "Ich regiere lieber in der Hölle, als im Himmel zu dienen."

Die Bewegungen, die Bannon vereinen will, sind allerdings zersplittert und haben häufig völlig unterschiedliche politische Vorstellungen. Zudem regte sich gegen Bannons Pläne bereits Widerstand von der SPD, den Grünen und der CDU/CSU. Selbst AfDler und Europaabgeordneter Jörg Meuthen sagte, er wolle eine kritische Distanz bewahren.

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