14.07.2016  Irland rechnet sich reich

Das irische Märchen von 26 Prozent Wachstum

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Zu schön, um wahr zu sein: Kleeblätter als Glückssymbol zum Nationalfeiertag St. Patrick's Day
AFP
Zu schön, um wahr zu sein: Kleeblätter als Glückssymbol zum Nationalfeiertag St. Patrick's Day

China schafft gerade mal noch 6,9 Prozent. Deutschland wähnt sich schon mit 1,5 Prozent im Glück. Und Griechenland schafft es seit Jahren nicht über die Nulllinie. Richtig überzeugende Wachstumsraten kann keine Volkswirtschaft der Welt mehr vorzeigen. Den Bestwert für 2015 zeigte bisher Äthiopien mit 10,2 Prozent, zugegebenermaßen von niedrigem Ausgangsniveau.

Doch jetzt kommt Irland, noch vor gar nicht so langer Zeit mit Griechenland in einem Atemzug genannt, mit einer fulminanten Erfolgsmeldung: Auf sagenhafte 26,3 Prozent haben die Statistiker von der Insel die reale Wachstumsrate ihres Bruttoinlandsprodukts für das vergangene Jahr hochgestuft, dank "vollständigerer und aktuellerer Daten" gegenüber der ersten Schätzung von 7,8 Prozent.

Jeder Ire hat demnach 53.743 Euro erwirtschaftet, während die Deutschen gerade mal auf einen Pro-Kopf-Wert von 37.099 Euro kommen. Doch mit Jubel hat das Amt in Dublin wohl selbst nicht gerechnet. Die Zahlen wirken nicht nur unglaublich, ihnen glaubt auch niemand.

"Wir müssen die wesentlichen Wirtschaftsindikatoren entsprechend der internationalen Regeln berechnen", erklärt die für die volkswirtschaftliche Gesamtrechnung zuständige Jennifer Banim. In dieser Hinsicht sei auch alles korrekt. Doch "wegen der hochgradig globalisierten Natur unserer Volkswirtschaft helfen Bruttoinlands- und Bruttosozialprodukt nicht immer zu verstehen, was in der irischen Wirtschaft passiert".

Eine etwas freundliche Formulierung als die von der "Leprechaun-Ökonomik" nach dem geizigen und trickreichen Kobold aus der irischen Mythologie, die der US-Ökonom Paul Krugman benutzt. "Mehr Papiertiger als keltischer Tiger", lästert das Magazin "Quartz".

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