14.06.2018  Investitionsstau - zusätzliche Ausgaben in Wachstumsfeldern

Deutschland muss 1,4 Billionen Euro investieren

Kunststoffrohre für Lichtleiterkabel: Nicht nur beim Breitband-Ausbau hat Deutschland Nachholbedarf
DPA
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Deutschland muss bis 2025 rund 1,4 Billionen Euro investieren, um versäumte Ausgaben aufzuholen. Ohne zusätzliche Investitionen sei das Wachstum gefährdet, heißt es in einer Studie: In allen fünf untersuchten Wachstumskategorien gehört Deutschland nur zum Mittelfeld, bei der digitalen Infrastruktur landet die Bundesrepublik nur auf Platz elf.

In Deutschland wird zu wenig investiert - wodurch künftiges Wachstum in Gefahr ist. Um in der Vergangenheit versäumte Investitionen wieder aufzuholen, müssten öffentliche und private Investoren zusammen jährlich hohe zusätzliche Milliardenbeträge investieren - bis 2025 insgesamt knapp 1,4 Billionen Euro zusätzlich. Das geht aus einer Studie der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY hervor.

Bei jährlich steigenden zusätzlichen Investitionsausgaben würde 2025 der Höhepunkt mit zusätzlichen knapp 300 Milliarden Euro erreicht. Das entspricht etwa 6 bis 6,5 Prozent des deutschen Bruttoinlandsproduktes - ein Niveau, das danach beibehalten werden sollte, heißt es in der Untersuchung.

Sollte Deutschland bis 2025 nur auf den Investitionsstand aus der Zeit vor der Finanzkrise zurückkehren, müssten die zusätzlichen Investitionsausgaben bis 2025 immer noch um insgesamt knapp 815 Milliarden Euro steigen.

Will die Bundesrepublik in Europa auch weiterhin zur Spitze gehören, seien zusätzliche Investitionen nötig: In keinem der für zukünftiges Wachstum wichtigen Investitionsfeldern Forschung, Digitalisierung, Basis-Infrastruktur, Bildung und Gesundheit gehört Deutschland im europäischen Vergleich zur Spitzengruppe.

Am besten schneidet das Land in der Kategorie Forschung, Innovation und nachhaltige Energie mit Platz sechs ab - am schlechtesten bei der Digitalisierung mit Platz elf. Bei den übrigen Kategorien (Basis-Infrastruktur, Bildung und Gesundheit) landet Deutschland auf den Rängen dazwischen.

Für die Studie "Investing in Europe's Future", hat EY Kennzahlen für die fünf Wachstumskategorien Forschung, Digitalisierung, Basis-Infrastruktur, Bildung und Gesundheit für alle EU-Staaten inklusive dem Vereinigten Königreich sowie der Schweiz ausgewertet.

"Deutschland hat es über die letzte Dekade versäumt, 'zu Hause' zu investieren", stellt Bernhard Lorentz, Partner bei EY, fest. "Das gilt sowohl für die öffentlichen Investitionen als auch für die privaten. In der Folge hat die heimische Infrastruktur gelitten - und das betrifft nicht nur digitale Infrastruktur wie Glasfaserkabel sondern letztlich alle Bereiche, die für intelligentes, nachhaltiges und integratives Wachstum relevant sind."

Deutschland bei Digitalisierung nur auf Platz elf in Europa

Gerade im zukunftsträchtigen Feld Digitalisierung schneidet Deutschland auf Platz elf sehr schlecht ab und gehört nur zum Mittelfeld. Die nordischen Länder Dänemark, Schweden und Finnland führen in diesem Bereich das Ranking an.

"In Deutschland sind vor allem ländliche Gegenden abgeschnitten von schnellem Internetzugang", so Lorentz. "Das trifft gerade einige Hidden Champions, also wenig bekannte aber auf ihrem Gebiet führende Unternehmen, die ihre Firmenzentrale oft auf dem Land haben. Für sie könnte das zu einem großen Problem werden, wenn immer mehr Maschinen und Produkte miteinander vernetzt werden und über schnelle Internetleitungen miteinander kommunizieren müssen."

Auffällig ist insbesondere, dass gerade die größten Volkswirtschaften Europas ausgerechnet bei der Digitalisierung vergleichsweise schwach abschneiden: Neben Deutschland auf Platz elf geben auch Frankreich auf Platz 17 und Italien auf Platz 25 keine gute Figur ab. Am besten schneidet noch das Vereinigte Königreich auf Platz 6 ab.

Schweiz, Schweden, Niederlande und Dänemark sind die Top 4

Die Schweiz und Schweden gehören ebenso wie die Niederlande und Dänemark zu den Top 4 Europas über alle Kategorien hinweg. Am schlechtesten schneiden insgesamt die osteuropäischen Staaten Polen, Rumänien, Bulgarien, Kroatien sowie Griechenland ab.

Insbesondere die Schweiz sticht heraus. Sie belegt in allen Kategorien den ersten Platz. Einzig bei der Digitalisierung gibt es für die Schweiz keine Auswertung, weil die zugrunde liegenden Quellen lediglich EU-Staaten erfassen.

la/mmo

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