14.06.2018  EZB stellt Anleihekäufe zum Dezember ein, aber

"Wir haben noch nicht über eine Zinserhöhung gesprochen"

EZB-Chef Mario Draghi: Die EZB kauft nur noch bis Dezember Anleihen auf. Der Leitzins bleibt jedoch bis Sommer 2019 bei null Prozent
DPA
EZB-Chef Mario Draghi: Die EZB kauft nur noch bis Dezember Anleihen auf. Der Leitzins bleibt jedoch bis Sommer 2019 bei null Prozent

Die Europäische Zentralbank (EZB) treibt ihre Kurswende voran. Sie kündigte am Donnerstag nach der Zinssitzung in Riga an, ihre vor allem in Deutschland umstrittenen Anleihenkäufe zum Jahresende einzustellen. Bislang waren die Transaktionen bis mindestens Ende September terminiert, das weitere Vorgehen aber unklar.

Momentan kaufen die Währungshüter für 30 Milliarden Euro pro Monat. Ab Oktober soll es jetzt eine kurze Auslaufphase mit reduziertem Volumen geben.

Der Leitzins bleibt jedoch bis auf weiteres auf Rekordtief von null Prozent. Die Europäische Zentralbank habe nach den Worten von Draghi noch keinen genauen Fahrplan für höhere Zinsen. Man habe nicht darüber gesprochen, ob und wann man die Schlüsselsätze wieder anheben werde, sagte Draghi am Donnerstag nach der Ratssitzung in Riga. Er bekräftigte, die Währungshüter gingen davon aus, dass die Leitzinsen noch bis einschließlich Sommer 2019 auf dem aktuellen Niveau blieben - dem Rekordtief von 0,0 Prozent. Der Euro gab daraufhin deutlich nach.

Börse: Dax startet durch, Draghi lässt Euro abstürzen

Die billionenschweren Käufe von Staatsanleihen und anderen Wertpapieren waren in den vergangenen Jahren die wichtigste Waffe der Notenbank im Kampf gegen eine aus ihrer Sicht zu schwache Inflation. Doch im Mai kletterte die Teuerung auf 1,9 Prozent und liegt damit im Zielbereich von knapp zwei Prozent. Dieses Niveau strebt die EZB als Optimalwert für die Wirtschaft an, hat es in den vergangenen Jahren aber meistens verfehlt.

Leitzins bleibt auf Rekordtief von null Prozent

Die Europäische Zentralbank (EZB) belässt den Leitzins im Euroraum auf dem Rekordtief von null Prozent. Das entschied der EZB-Rat am Donnerstag bei seiner auswärtigen Sitzung im lettischen Riga, wie die Notenbank in Frankfurt mitteilte

Die Währungshüter gehen davon aus, dass die Leitzinsen noch bis über den Sommer 2019 hinaus auf dem aktuellen Niveau bleiben werden. Der Schlüsselsatz zur Versorgung der Geschäftsbanken mit Geld liegt bereits seit März 2016 auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent. Der Euro gab unmittelbar nach der Zinsentscheidung der EZB gegenüber dem Dollar deutlich nach, der Dax legte dagegen zu.

EZB wird ihr Inflationsziel weiter verfehlen

Die Europäische Zentralbank (EZB) wird den hauseigenen Ökonomen zufolge ihr Inflationsziel weiter verfehlen. Für dieses und nächstes Jahr erhöhten die Experten am Donnerstag zwar ihre Prognose für die durchschnittliche Teuerungsrate auf jeweils 1,7 Prozent, nachdem sie im März noch jeweils 1,4 Prozent vorausgesagt hatten. Die Notenbank steuert einen Wert von knapp zwei Prozent als Optimalwert für die Wirtschaft an. Dieser dürfte auch 2020 mit ebenfalls 1,7 Prozent verfehlt werden.

Die Ökonomen nahmen zugleich ihre Wachstumsprognose für dieses Jahr zurück. Sie rechnen jetzt mit einem Plus beim Bruttoinlandsprodukt der Euro-Zone von 2,1 (bisher: 2,4) Prozent. "Die Unsicherheiten im Zusammenhang mit globalen Faktoren, einschließlich der Gefahr eines verstärkten Protektionismus, sind stärker in den Vordergrund gerückt", sagte EZB-Präsident Mario Draghi. Für 2019 wird weiter ein Anstieg der Wirtschaftsleistung von 1,9 Prozent erwartet, für 2020 von 1,7 Prozent.

Zu Beginn dieses Jahres ließ das Wachstum im Währungsraum deutlich nach. Das Bruttoinlandsprodukt legte zwischen Januar und März 2018 nur noch um 0,4 Prozent zum Vorquartal zu. In den drei Vorquartalen hatte das Plus noch bei jeweils 0,7 Prozent gelegen.

la/dpa

Mehr zum Thema