10.10.2017  Katalonien-Konflikt

Barcelonas Bürgermeisterin spricht sich gegen Unabhängigkeit aus

Foto: REUTERS

Am Dienstag könnte Katalonien seine Abspaltung von Spanien verkünden. Barcelonas Bürgermeisterin sagte nun, das Referendum könne dafür keine Grundlage sein, und warnte vor einer Gefahr für den "sozialen Zusammenhalt".

Die Bürgermeisterin von Barcelona hat im Katalonien-Konflikt zu Entspannung aufgerufen. "Was wir jetzt brauchen, sind Gesten der Entspannung von beiden Seiten", sagte Ada Colau. "Wir brauchen keine Eskalation, die niemandem etwas bringt." Sie rief den spanischen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy dazu auf, nach Katalonien entsandte Polizeieinheiten wieder abzuziehen. Er dürfe die katalanischen Institutionen nicht entmachten.

Colau sprach sich während ihrer Rede in Barcelona gegen eine einseitige Unabhängigkeitserklärung Kataloniens aus. Die Ergebnisse des Referendums vom 1. Oktober könnten "keine Grundlage dafür sein, die Unabhängigkeit zu proklamieren", sagte Colau und warnte vor einer Gefahr für den "sozialen Zusammenhalt".

Katalonien könnte am Dienstagabend seine Abspaltung von Spanien verkünden. Um 18 Uhr will Regionalpräsident Carles Puigdemont im Regionalparlament in Barcelona eine Rede zur "aktuellen politischen Situation" halten. Zuletzt wuchs aus dem In- und Ausland der Druck auf Puigdemont, von einer Unabhängigkeitserklärung abzusehen.

Die Zentralregierung in Madrid warnte den katalanischen Regierungschef zuletzt am Montag mit scharfen Worten vor der Ausrufung der Unabhängigkeit. Der Sprecher der Volkspartei (PP) von Rajoy, Pablo Casado, wies zudem alle Aufrufe zum Dialog erneut zurück. "Wir werden nicht nachgeben, und es gibt auch nichts zu verhandeln mit den Putschisten." Sollte Puigdemont am Dienstagabend tatsächlich die Unabhängigkeit Kataloniens verkünden, werde Rajoy "mit harter Hand" reagieren.

Auch die Wirtschaft ist besorgt über die Folgen einer möglichen Abspaltung Kataloniens von Spanien. Am Montag gab der Autobahnbetreiber Abertis bekannt, seinen Firmensitz von Barcelona nach Madrid zu verlegen. In den vergangenen Tagen hatten schon mehrere Großbanken angekündigt, ihren Hauptsitz aus Katalonien abzuziehen.

Bei einem von der spanischen Justiz als rechtswidrig eingestuften Referendum hatten sich am 1. Oktober 90 Prozent der Teilnehmer für eine Unabhängigkeit Kataloniens ausgesprochen. Die Wahlbeteiligung lag bei lediglich 43 Prozent, viele Gegner einer Unabhängigkeit boykottierten die Abstimmung. Am Wochenende gingen Hunderttausende Abspaltungsgegner in Barcelona auf die Straße.

aar/AFP/Reuters/dpa

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