06.10.2017  Kataloniens Unabhängigkeit und die Folgen

So weit ist Katalonien Spanien wirtschaftlich voraus


Am 1. Oktober haben 90 Prozent der katalanischen Wähler für eine Loslösung der Region von Spanien gestimmt. Die Separatisten hoffen, unabhängig mehr von der eigenen wirtschaftlichen Stärke zu profitieren, denn: Wie die Grafik von Statista zeigt, steht Katalonien beim Bruttoinlandsprodukt der Eurozone wesentlich näher als dem eigenen Mutterland. Mit einem BIP von gut 220 Milliarden Euro ist die Region wirtschaftlich größer als Portugal, Tschechien oder Rumänien.

Die wirtschaftlich wichtigste Frage für einen potenziell eigenständigen Staat Katalonien ist die Zugehörigkeit zur Europäischen Union - würde Katalonien wirklich bereits am Montag die eigene Unabhängigkeit erklären, würde damit ein Präzedenzfall geschaffen. Bislang hat sich noch kein Landesteil eines EU-Mitglieds abgespalten.

Die EU-Kommission hat das Referendum für illegal erklärt, wie auch die Zentralregierung in Madrid. EU-Offizielle haben bislang stets erklärt, eine Sezession müsse auch einen Austritt aus EU und Euro bedeuten; Vertreter der Separatisten nehmen das allerdings nicht ernst. "Die Drohung, uns aus der EU zu werfen, ist nicht glaubwürdig. Katalonien ist viel zu wirtschaftsstark aufgrund des Tourismus, der Industrie und seiner Exportwirtschaft", zitiert die "Welt" den EU-Abgeordneten Ramon Tremosa.

Deutsche Unternehmen blicken angespannt gen Südwesten: Volkswagen ist über seine Tochter Seat größer Arbeitgeber der Region und denkt laut Medienberichten über die Verlagerung des Unternehmenssitzes nach Madrid nach; auch Audi fertigt derzeit in Katalonien. Weitere deutsche Konzerngrößen setzen dort ebenfalls Milliarden um. Wer wie viel riskiert, zeigt diese Übersicht.

Die ersten spanischen Unternehmen ziehen bereits Konsequenzen: Die Großbank Banc Sabadell verlegt ob der möglichen Unabhängigkeit ihren Sitz nach Alicante. Der Umzug ist allerdings vor allem juristischer und symbolischer Natur; die Hauptverwaltung verbleibt im Stadtzentrum Barcelonas, das Betriebszentrum in Sant Cugat del Vallès. Die CaixaBank erwägt derweil laut Medienberichten einen Umzug nach Palma de Mallorca - wie Alicante Teil des katalanischen Sprachraums, aber außerhalb der tatsächlichen Region Katalonien.

luk

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