21.04.2017  Le Pens Helfer-Netzwerk "Les Horaces"

Der mysteriöse Oberschichten-Geheimbund hinter Le Pen

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Front-National-Frontfrau Marine Le Pen hat sich ein Unterstützernetzwerk in Frankreichs Eliten aufgebaut
AFP
Front-National-Frontfrau Marine Le Pen hat sich ein Unterstützernetzwerk in Frankreichs Eliten aufgebaut

2. Teil: Das Gesicht von Les Horaces ist ein 46-jähriger Immigrant

In den vergangenen Monaten kristallisierte sich heraus, dass Le Pen durchaus über ein Netzwerk in den höheren sozialen Sphären besitzt. Das FN-Unterstützerkollektiv, das seit einigen Monaten ein wenig aus dem Schatten kam, nennt sich "Les Horaces", also "Die Horazier". Es wird angeführt von einem bestens assimilierten französischen Immigranten: Jean Messiha, ein gebürtiger Ägypter und koptischer Christ.

Der 46-jährige Messiha hat die französische Grand École Ecole Nationale d'Administration absolviert, die Kaderschmiede der französischen Politiker. Der Sohn eines Diplomaten kam im Alter von 8 Jahren nach Frankreich, bezeichnet sich selbst als "äußerlich Araber, innerlich Franzose", Von seinem Job als höherer Beamter im Verteidigungsministerium hat er eine Auszeit genommen, um als Programmdirektor der Front National zu fungieren.

Eine schnelle Karriere, laut Eigenaussagen hat er Marine Le Pen erst im Jahr 2014 zum ersten Mal getroffen. Aufgefallen ist er - wenig erstaunlich - als leidenschaftlicher Kritiker des Islam. Ende April hat er seinesgleichen scharf attackiert: Als höhere Beamte ankündigten, unter Le Pen nicht dienen zu wollen, warf er ihnen Verrat am demokratischen Willen vor.

Über ein Jahr lang, so berichtete das Wall Street Journal vor kurzem, hat sich Marine Le Pen mit einflussreichen Bankern, Unternehmenslenkern und hohen Beamten des französischen Staatsapparats getroffen. Ein paar von ihnen konnte sie offenbar für ihre Horazier-Truppe gewinnen. Die Horazier sollen ihr dabei helfen, in den ersten 100 Tagen ihrer Regierung einschneidende Veränderungen vorzunehmen.

Die blutige Geschichte der "Horazier"

Doch bis auf Messiha wagt sich keiner der Horazier bislang in die Öffentlichkeit. Denn viele französiche Angehörige der Oberschicht fürchten wohl zu Recht, dass sich ihre Chefs, Freunde und Bekannten von ihnen lossagen, sobald sie sich offen für Le Pen und ihre Politik aussprechen. "Sie sind das, was man Schattenberater nennt, und das wollen sie auch bleiben", sagt Messiha über seine Mitstreiter.

Sollte Marine Le Pen tatsächlich französische Präsidentin werden, dürfte sich das wohl ändern. Laut Messiha hat Le Pen Ende Januar 90 Horazier in einem Restaurant in Paris getroffen und ihnen für ihre Arbeit gedankt. Messiha meint, dass wichtige Horazier-Mitglieder wohl Teil einer Le Pen-Regierung werden dürften.

Benannt haben sich die Horazier übrigens nach den gleichnamigen Drillingen aus der römischen Sagenwelt. Sie sollen zur Zeit des dritten römischen Königs Tullus Hostilius gelebt haben, der von 673 - 642 vor Christus regierte. Laut dem römischen Geschichtsschreiber Livy sollen sich die drei Horazier, Brüder aus einer der höchsten römischen Adelsfamilie, mit drei Brüdern aus der rivalisierenden Stadt Alba Longa bekriegt haben.

Einer der Horazier soll seine drei Widersacher aus Alba Longa letzlich getötet und somit die Regentschaft von Tullus gesichert haben. Doch zwei seiner Brüder starben zuvor in den Kämpfen. Damit war das Blutvergießen aber noch nicht zu Ende. Publius Horatius tötete auch noch seine Schwester. Sie war mit einem seiner Widersacher aus Alba verlobt und betrauerte dessen Tod. "So möge jede römische Frau sterben, die einen Feind betrauert," soll Publius Horatius gerufen haben, als er seine Schwester mit einem Schwerthieb hinstreckte. Mit solchen historischen Vorbildern ist wohl nicht zu spaßen.

mit Material von AFP

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