16.03.2017  Inflation steigt über 2 Prozent, Fed erhöht Zinsen

Was passieren muss, damit die EZB die Zinsen erhöht

Von

EZB-Zentrale im Nebel: Eine Zinswende wie in den USA ist noch lange nicht in Sicht
AFP
EZB-Zentrale im Nebel: Eine Zinswende wie in den USA ist noch lange nicht in Sicht

Amerika, du hast es besser. Zumindest aus Sicht deutscher Geldhüter zeigt die US-Zentralbank Federal Reserve, die nach zwei vorsichtigen Zinserhöhungen in den vergangenen beiden Jahren an diesem Mittwoch eine Serie von Schritten zu spürbar höheren Zinsen eingeläutet hat, den Weg ins gelobte Land.

Die Europäische Zentralbank hingegen beschwört, die aktuellen Null- oder sogar Negativzinsen "für längere Zeit" zu behalten oder sogar noch weiter zu senken. Darüber hinaus gehen die Anleihekäufe mindestens bis zum Jahresende weiter, nur das Tempo wird am April gedrosselt - während die Inflationsrate in Deutschland mit 2,2 Prozent neuerdings das EZB-Ziel übertrifft.

Sabine Lautenschläger, die deutsche Vertreterin im EZB-Rat, hält die Zeit für gekommen, "dass wir uns bald der Frage des Ausstiegs widmen können". Auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble fordert "einen rechtzeitigen Einstieg in den Ausstieg" mit Verweis auf die "Belastungen der Niedrigzinsphase" - obwohl sein eigener Haushalt von niedrigen Zinsen eher entlastet wird. Sobald sie wieder steigen, ist eine Jahrhundertchance für kostenlose öffentliche Investitionen ungenutzt vorbei.

Wen Schäuble im Blick hat, sind die privaten Investoren, die mit geringer Rendite auskommen müssen - und die Banken, die auch wegen geringer Zinsmargen im Vergleich mit den amerikanischen Kollegen blass wirken. Das gilt besonders für die vom klassischen Kredit- und Einlagengeschäft abhängigen Institute.

So fordert Uwe Fröhlich, Präsident der Genossenschaftsbanken, die EZB zum "dringenden geldpolitischen Umsteuern" auf. Und Sparkassenpräsident Georg Fahrenschon deklariert seine Erwartungen: "Erst ein Abschmelzen des Ankaufprogramms und dann ein Zurückführen des Zinses in die richtige Höhe."

Doch alle, die bald wieder höhere Zinsen sehen wollen, werden sich noch gedulden müssen. Hier sind die Gründe, warum auch 2 Prozent Inflation noch nicht für eine Umkehr der EZB reichen.

1 / 6

Mehr zum Thema