17.01.2017  Die große Brexit-Rede in der mm-Übersetzung

Was Theresa May sagt - und was sie meint

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Wäre überzeugender mit zuversichtlicher Mimik: Theresa Mays zuversichtliche Brexit-Rede
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Wäre überzeugender mit zuversichtlicher Mimik: Theresa Mays zuversichtliche Brexit-Rede

"Hard Brexit" oder, mit etwas freundlicherem Klang, "Clean Brexit" ist die neue Linie aus London. Mit ihrer Rede zum EU-Austritt verbindet die britische Premierministerin Theresa May den Anspruch, "wo wir Klarheit anbieten können, werden wir das tun". Die Wirtschaft soll wissen, worauf sie sich einstellen muss. Aber dem "Plan für Großbritannien" fehlt es immer noch merklich an konkreten Details. Etwas mehr Klarheit wäre durchaus möglich - und wir liefern sie nach, mit unserer Übersetzung von Mays Worten.

Gesagt: "Diese Regierung hat einen Plan für Großbritannien."

Gemeint: Na ja, jedenfalls zwölf allgemeine Punkte für eine PowerPoint-Präsentation. Wie das Brexit-Abenteuer ausgeht, haben wir sowieso nicht in der Hand. Wir sind Getriebene im Interessengeflecht von EU-Staaten, globalem Kapital und der nationalistischen Stimmung im Land. Aber "Souveränität" klingt immer gut.

Gesagt: "Ich weiß, dass viele fürchten, dies könnte eine weitere Auflösung der EU einläuten. Ich will nicht, dass das geschieht. Es liegt weiterhin in Großbritanniens nationalem Interesse, dass die EU Erfolg hat."

Gemeint: I'm so sorry!

Gesagt: "Keine Teilmitgliedschaft der Europäischen Union, assoziierte Mitgliedschaft oder irgendetwas, das uns halb drin, halb draußen lässt. Wir wollen kein Modell übernehmen, das andere Länder bereits genießen. Wir wollen nicht an Teilen unserer Mitgliedschaft festhalten, während wir gehen."

Gemeint: Obwohl, da gibt es schon eine Menge Vorzüge der EU, die wir am liebsten behalten würden. Im Rest meiner Rede werde ich mich ausführlich damit beschäftigen. Also, ideal wäre so etwas wie das Schweizer Modell. Aber das geht ja leider nicht.

Gesagt: "Ich kann heute bestätigen, dass die Regierung das endgültige Abkommen, auf das sich das Vereinigte Königreich und die EU einigen, beiden Häusern des Parlaments zur Abstimmung vorlegen wird, bevor es in Kraft tritt."

Gemeint: Das könnte noch der eleganteste Ausweg aus dem Schlamassel sein: ein Veto des Parlaments. Vielleicht platzt der Brexit dann, oder ich bin wenigstens nicht schuld und kann zurücktreten. Sieht der Devisenmarkt auch so.

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