07.12.2017  Deutschland droht massive Altersarmut

Wie Euro, EZB und Politik Deutschland ruinieren

Eine Meinungsmache von Daniel Stelter
Unser Einkommen mag vielleicht - begünstigt von tiefen Zinsen und schwachem Euro - zurzeit hoch sein. Unser Vermögen ist es jedoch nicht. Die Ersparnisse vieler Deutscher werden nicht reichen für den Lebensabend.
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Unser Einkommen mag vielleicht - begünstigt von tiefen Zinsen und schwachem Euro - zurzeit hoch sein. Unser Vermögen ist es jedoch nicht. Die Ersparnisse vieler Deutscher werden nicht reichen für den Lebensabend.

4. Teil: Wir brauchen die Bestandsgröße

Das Problem ist nur, dass wir von den Bestandsgrößen, also unserem Vermögen, zehren müssen, wenn wir alt sind. So wie die Rentner ihre Ersparnisse aufbrauchen für einen vergnüglichen Lebensabend, müssen auch wir als Land unsere angesparten Forderungen gegen das Ausland in Zukunft dazu nutzen, um Waren zu importieren, die wir dann nicht mehr selbst herstellen können. Umso ärgerlicher ist es, dass die Politik nicht nur tatenlos zusieht, wie unsere Ersparnisse, falsch angelegt, erodieren, sondern auch noch bereitwillig die Ersparnisse opfert, um ein vorhandenes Geschäftsmodell zu stützen.

Während Länder wie die Schweiz, Singapur und Norwegen gezielt werthaltige Forderungen und Vermögenswerte kaufen, sind wir bereitwillig die Finanziers von Schuldnern, die uns am Ende im Regen stehen lassen. Spätestens seit 2009 ist diese simple Mechanik allen nüchternen Beobachtern klar. Doch unsere Politik sieht zu und lässt es geschehen.

Auch die sichere Rente ist eine Illusion. Während sich die Politik für die "Schwarze Null" feiert, die auch nur die Folge der tiefen Zinsen und nicht besonderer Sparanstrengungen ist, explodieren die verdeckten Schulden des Staates förmlich. Berücksichtigt man die ungedeckten Zusagen für künftige Renten-, Pensions- und Gesundheitszahlungen, liegt die deutsche Staatsverschuldung mit 161 Prozent vom BIP deutlich über der italienischen. Diese Lücke kann nur über höhere Abgaben und Leistungskürzungen geschlossen werden.

Unsere Ersparnisse genügen nicht für einen angenehmen Lebensabend.

Wir brauchen auch in Zukunft eine Flussgröße

Versagen wir schon bei der eigentlich einfachen Aufgabe, ordentlich vorzusorgen (staatliche Versorgung) und unsere hart erarbeiteten Ersparnisse gut anzulegen, sollten wir wenigstens die Grundlage auch für ein hohes Einkommen in Zukunft legen. Voraussetzungen dafür wären Investitionen in Infrastruktur und Bildung, verbundenen mit einer Einwanderungspolitik, die sich an unseren ökonomischen Erfordernissen orientiert. Eine Gesellschaft von Rentnern, die ihre Ersparnisse verloren hat, kann nichts weniger gebrauchen als schlechte Infrastruktur, Unternehmen, denen qualifizierte Mitarbeiter fehlen und Migranten, die von Transferzahlungen leben.

Doch genau hier versagt unsere Politik ebenfalls eklatant. Straßen verfallen, schnelles Internet kennt man nur aus anderen Ländern und das Bildungsniveau befindet sich im Sturzflug. Migration in die Sozialkassen wird zu einer dauerhaften Belastung, abgesehen von den Folgen für sozialen Zusammenhalt und innere Sicherheit.

In Zukunft werden weniger Einkommen entstehen. Ein guter Teil davon wird verwendet werden müssen, um die zum Folgen der Migration zu bewältigen und damit an anderer Stelle fehlen.

In den nächsten zehn Jahren prallt alles zusammen

Damit stehen wir vor enormen Herausforderungen. Unsere Wirtschaftskraft wird, allein bedingt durch die demografische Entwicklung, in den kommenden Jahren sinken. Die Belastungen für die alternde Gesellschaft werden steigen, während die Art der Zuwanderung, wie wir sie heute zulassen und befördern, die Belastungen zusätzlich erhöht. Zeitgleich dürften in den kommenden Jahren die Verluste aus Europolitik und falscher Exportorientierung nicht nur in der Theorie bestehen, sondern Realität werden - auf welchem Weg (Ausfälle, Restrukturierung, Inflation) auch immer.

Tritt dies ein, sind politische Verwerfungen in einem Ausmaß denkbar, wie wir sie uns heute nicht vorstellen können. Die CDU dürfte dasselbe Schicksal erleiden, wie die Democrazia Christiana in Italien und die SPD wie die Sozialisten in Frankreich: den völligen Untergang, sind es doch die beiden Parteien, die uns das Schlamassel, auf das wir zusteuern, eingebrockt haben. Gewinner werden die radikalen Kräfte zur linken wie zur rechten sein.

Wer wirklich Sorge vor AfD und Linkspartei hat, der sollte heute umsteuern und dringend handeln. Wir brauchen eine Politik, die unsere Einkommen nachhaltig stärkt und unsere Ersparnisse sichert. Genau das Gegenteil ist der Fall.

Daniel Stelter ist Mitglied der MeinungsMacher von manager-magazin.de. Trotzdem gibt diese Kolumne nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion des manager magazins wieder.

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