07.10.2018 
Steigende Preise

Das Menetekel der Inflation

Eine Kolumne von Henrik Müller
Die Inflation ist zurück
DPA
Die Inflation ist zurück

2. Teil: Allerlei Preisfragen

Quasi überall im Westen ist die Phase der sehr niedrigen Inflationsraten vorbei. In den USA, Kanada und Großbritannien hat sich der Anstieg der Verbraucherpreise in den vergangenen Monaten der Dreiprozentmarke genähert. Auch in Deutschland (2,3 Prozent) und der Eurozone insgesamt (2,1 Prozent) gehen die Preise nach oben.

In großen Schwellenländern wie Mexiko, Südafrika, Indien und Brasilien liegen die Inflationsraten derzeit zwischen vier und fünf Prozent. Wo hohe Schulden und anziehende US-Zinsen für Währungskrisen sorgen - wie in Argentinien (zuletzt 34 Prozent Inflation) und der Türkei (24 Prozent) -, galoppiert die Preissteigerung davon.

In Ländern mit überschäumender Konjunktur - darunter Deutschland und die USA - sind die Engpässe auf dem Arbeitsmarkt inzwischen so gravierend, dass die Löhne kräftiger ansteigen als in den vergangenen Jahren. In Deutschland klagt inzwischen ein Viertel der Industrieunternehmen über Produktionsengpässe durch Arbeitskräftemangel, wie Umfragen des Ifo-Instituts zeigen.

Die Produktionskapazitäten insgesamt sind überausgelastet, in Deutschland, aber auch im Euroraum insgesamt - Bedingungen, unter denen üblicherweise die Preise steigen. In den USA, wo der Staat den ohnehin kräftigen Aufschwung zusätzlich mit Steuersenkungen anheizt, werden Beschäftigte knapp: Die Arbeitslosenquote ist auf den niedrigsten Stand seit 1969 gefallen.

Dazu kommen die Energiepreise. Öl kostet inzwischen mehr als 80 Dollar pro Fass, so viel wie seit Jahren nicht mehr. Förderbeschränkungen der großen Ölproduzenten OPEC und Russland spielen eine Rolle, aber auch Produktionsengpässe in den USA: Angesichts enger Arbeitsmärkte lässt sich die Förderung und der Transport von Schieferöl ("shale") nicht mehr so rasch hochfahren wie in den vergangenen Jahren, als die flexible US-Produktion den Weltmarktpreis für Öl gedrückt hatte.

Auch der grassierende Protektionismus erhöht potenziell die Preise. So sind in den USA Stahl und Aluminium deutlich teurer geworden, nachdem Donald TrumpsRegierung Sonderzölle erhoben hatte. In Großbritannien sorgt der bevorstehende Ausstieg aus dem EU-Binnenmarkt für Preisdruck. Wie geht es jetzt weiter?

Crash und Überhitzung

Mein Risikoszenario sieht so aus: Steigende Inflationsgefahren veranlassen die US-Notenbank Fed - und mit Verzögerung auch die EZB -, die Zinsen rascher anzuheben als bisher erwartet. Dadurch bekommen rund um den Globus all jene Unternehmen und Staaten Probleme, die sich im Vertrauen auf ewig niedrige Zinsen in Dollar oder Euro verschuldet haben. Währungskrisen lassen die Inflationsraten in vielen Schwellen- und Entwicklungsländern explodieren, wie jetzt schon in Argentinien und in der Türkei.

Andererseits könnte sich das Bremsmanöver der Notenbanken als zu spät und zu sachte erweisen, sodass sich inflationäre Entwicklungen in den reichen Ländern nicht wirksam eindämmen lassen, weshalb auch hier die Preise steigen. Sparer, die sich bislang schon über Mini-Zinsen beschweren, würden dann auch noch unter deutlich höheren Inflationsraten leiden.

Natürlich, so weit muss es nicht kommen. Aber hüten Sie sich bitte vor allen, die behaupten, sicher zu wissen, was die Zukunft bringt.

2 | 3

Mehr zum Thema