07.12.2017  Air-Berlin-Übernahme

Ministerin verteidigt hohe Lufthansa-Preise

Brigitte Zypries (SPD), geschäftsführende Bundeswirtschaftsministerin
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Brigitte Zypries (SPD), geschäftsführende Bundeswirtschaftsministerin

Air Berlin ist pleite, die Lufthansa-Gruppe will einen Großteil der Flugzeuge übernehmen und beherrschte laut Analysten dann mit einem Marktanteil von 98 Prozent die innerdeutschen Flugstrecken. Das Bundeskartellamt nimmt die deutlich gestiegenen Preise der Lufthansa ins Visier. Doch nun springt der Airline Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries zur Seite und nimmt sie in Schutz.

"Es gibt auch viel ungerechtfertigte Kritik an Lufthansa, manchmal sogar eine Art "Lufthansa-Bashing"", sagte die SPD-Politikerin der deutschen Presseagentur.

Nach Kundenbeschwerden hatte das Kartellamt angekündigt, die Preispolitik der Lufthansa zu überprüfen. Der Konzern setzte sich gegen den Verdacht der Preistreiberei entschieden zur Wehr. Allerdings ist klar, dass nach dem Ausscheiden von Air Berlin jeden Tag Zehntausende Plätze im innerdeutschen Flugverkehr fehlen. Dies nutze die Lufthansa-Gruppe in ihrer mit ihrer Quasi-Monopolstellung aus, lautet der Vorwurf.

Die Ministerin betonte dagegen: "Ich empfinde das manchmal als eine verdrehte Diskussion", sagte Zypries. "So hat beispielsweise niemand ein Interesse daran, dass 80 Flugzeuge lange Zeit am Boden stehen und nicht fliegen dürfen, denn das verknappt das Angebot und verteuert die Preise. Solange die Kartellprüfungen noch laufen, dürfen die Flieger aber nicht genutzt werden, da kann die Lufthansa nichts dafür."

Lufthansa-Chef Carsten Spohr hatte 1000 neue innerdeutsche Flüge pro Monat angekündigt, sobald die EU-Wettbewerbsbehörde grünes Licht für die Übernahme von großen Teilen von Air Berlin gebe. Dann würden sich auch die Preise wieder stabilisieren. Kritiker glauben nicht daran: Wenn die Lufthansa mit ihren Töchtern höhere Ticketpreise auf bestimmten Strecken setzen könne, werde dies der Vorstand anordnen, zeigte sich der ehemalige Chef der Monopolkommission, Daniel Zimmer, schon vor Wochen überzeugt.

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Um die EU-Kommission noch zu überzeugen hat die Lufthansa weitreichende Zugeständnisse gemacht, um insbesondere die Maschinen der Air-Berlin-Tochter Niki doch noch übernehmen zu können. Zypries sagte mit Blick auf wettbewerbsrechtliche Bedenken: "Die EU-Kartellbehörde prüft natürlich unabhängig. Im Sinne der Beschäftigten hoffen wir aber, dass dies möglichst zügig vonstatten geht und am Ende eine gute und wettbewerbssichernde Lösung steht."

rei mit dpa-afx

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