01.02.2018  Koalitionsverhandlungen: Strategien gegen den Stillstand

Wie die Groko noch ein großer Wurf werden kann

Eine Meinungsmache von Christian Scholz
Was gibst Du mir? Koalitionsverhandlungen gleichen nicht selten einem orientalischen Basar
AP
Was gibst Du mir? Koalitionsverhandlungen gleichen nicht selten einem orientalischen Basar

Koalitionsverhandlungen folgen einem klaren Ritual: Die eine Partei fordert etwas. Auch wenn die andere Partei das eigentlich als gut erachtet, muss sie dagegen argumentieren, bis sie im Austausch etwas anderes bekommt. Alles ist ein Geben und Nehmen, ein Fordern und Abwehren, ein orientalischer Basar, ein Krieg mit Worten und mit Symbolen. Nur: Das kann und darf es nicht sein. Ein Appell.

In den aktuellen Koalitionsgesprächen zwischen Union und SPD geht es um zu gewinnende "Trophäen", um "Linien", die man verteidigt. Es ist ein Krieg, in dem sich am Ende jeder zum Sieger erklären will. Schon bei den Sondierungsgesprächen haben die Medien nachgerechnet, wer gewonnen und wer verloren hat.

Christian Scholz

In dieser kollektiven und kleingeistigen Verhandlungsunlogik voller Misstrauen hat eine "gemeinsame Vision" für unsere Zukunft leider keinen Platz. Wenn sich hier nicht in den verbleibenden Tagen etwas ändert, bekommen wir einen Koalitionsvertrag, der lediglich den Akteuren eine Verschnaufpause bis zu vorgezogenen Neuwahlen verschafft. Noch ein oder zwei Jahre Stillstand? Das können sich Deutschland und Europa nicht leisten.

Denn jenseits von Nachzugsregelung und Krankenkassenangleichung, gibt es eine fundamentale Frage, die es zu beantworten gilt und über die überhaupt nicht gesprochen wird:

Wie soll die Arbeitswelt von morgen aussehen?

Sachgrundlose Befristungen sind hier nur ein ganz kleiner Baustein. Die Jugend der Generation Z, die Start-ups und viele Menschen aller Altersgruppen sind von der aktuellen Arbeitswelt genervt und wollen etwas, das mehr ist als ein pauschales Bekenntnis zur Digitalisierung. Die aktuellen Forderungen der IG Metall belegen dies.

Zur neuen Arbeitswelt jenseits von gefährlichem Work-Life-Blending stand nahezu nichts in den Wahlprogrammen und im Sondierungspapier. Dabei gilt zumindest laut CDU/CSU: "Für ein Deutschland, in dem wir gut und gerne leben." Und dazu gehört vor allem die Ausgestaltung der Arbeitswelt.

Warum also nicht einmal ein anderes Verfahren versuchen und sich auf eine Vision für die Arbeitswelt einigen, der beide Parteien zustimmen können?

1 / 5

Mehr zum Thema