17.07.2018 
Vorschlag der Kassenärztlichen Vereinigungen in der Kritik

Strafgebühr für falsche Notfallpatienten empört selbst Ärzte

Von
Nutzen Patienten Notaufnahmen in Krankenhäusern aus? Das unterstellen Kassenärztliche Vereinigungen und befürworten eine Strafgebühr von bis zu 50 Euro
DPA
Nutzen Patienten Notaufnahmen in Krankenhäusern aus? Das unterstellen Kassenärztliche Vereinigungen und befürworten eine Strafgebühr von bis zu 50 Euro

Wer sich schlecht fühlt oder Schmerzen hat, sucht oft Hilfe in der Notaufnahme einer Klinik - nachts wie tags. Der Chef der Kassenärzte schlägt jetzt vor, unbegründete Besuche mit einer horrenden Gebühr zu unterbinden. Und erntet heftigen Widerspruch auch von Ärzten.

Kennen Sie das? Die Schmerzen im Brustkorb oder Bauch kommen plötzlich. Auch der Schwindelanfall hat sich nicht angekündigt. Oder das? Der drei Monate alte Nachwuchs atmet schwer, ist schweißgebadet. Sie sind mit Ihrem Latein am Ende, wissen nicht warum. Ihr Haus- oder Kinderarzt hat schon lange dicht. Also rufen Sie den Notdienst oder bringen das Kind gleich selbst in die Notaufnahme ins Krankenhaus.

Dort könnte es Ihnen dann künftig passieren, dass nach stundenlangem Warten ein behandelnder Arzt oder Ärztin abwinkt: Nichts Ernstes, kein Notfall, keine stationäre Aufnahme notwendig - mit dem kurzen Händedruck erhalten Sie gleich den Gebührenbescheid von 50 Euro. Denn Sie sind ja kein Notfallpatient.

Niemand sucht gern freiwillig die Notfallaufnahme in einem Krankenhaus auf. Wer das einmal durchgestanden hat, weiß von langen Wartezeiten und nicht selten überforderten Ärzten zu berichten. Und ja - in der Mehrzahl der Fälle handelt es sich tatsächlich nicht um einen Notfall, wie Ärzte im Gespräch mit manager-magazin.de betonen. 50 bis 70 Prozent der Patienten seien kein Fall für die Notaufnahme, gutachtete bereits auch vor zwei Jahren die Deutsche Gesellschaft für interdisziplinäre Notfall- und Akutmedizin e.V.

Doch ließe sich der Zustrom durch eine horrende Gebühr besser steuern? Das glauben zumindest Vertreter der Kassenärztlichen Vereinigungen. "Ich kann mir 50 Euro pro Patient vorstellen", sagte zuerst der Chef der KV Niedersachsen, Mark Barjenbruch, der "HAZ". Wenn "90 Prozent" der Patienten in der Notaufnahme keine Notfälle seien, müsse das eine Option sein. Andreas Gassen, Chef der Kassenärzte (KBV), legte dann nach. Gegenüber dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland" nannte er am Montag zwar keine Zahlen, doch auch er ist dafür, unter Umständen eine Gebühr von Patienten zu verlangen:

"Eine finanzielle Steuerung wäre genau der Hebel, der helfen würde. In vielen anderen Ländern Europas ist so etwas längst üblich." Wenn sich Patienten dem Angebot der niedergelassenen Ärzte "dauerhaft entziehen und das System nach Gusto nutzen, wie es ihnen gerade einfällt, muss das finanzielle Sanktionen nach sich ziehen", forderte der KBV-Chef.

1 | 3

Mehr zum Thema