06.06.2018 
Ohne Software-Update wird's jetzt brenzlig

Diesel-Zwangsstilllegung - Hamburg und München fangen an

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2.0 Liter TDI Dieselmotor vom Typ EA189: Wer seinem Auto mit diesem Motor das Software-Update verweigert, muss in den nächsten Wochen und Monaten mit der Zwangsstilllegung seines Autos rechnen
DPA
2.0 Liter TDI Dieselmotor vom Typ EA189: Wer seinem Auto mit diesem Motor das Software-Update verweigert, muss in den nächsten Wochen und Monaten mit der Zwangsstilllegung seines Autos rechnen

Die Behörden in Hamburg und München haben erste Dieselautos mit manipulierter Abgas-Software zwangsweise stillgelegt und aus dem Verkehr gezogen. Die Besitzer hatten zuvor eine Nachrüstung verweigert. Andere Städte dürften folgen.

Erhöhter Verbrauch, verstärkter Verschleiß - die Ängste der Dieselfahrer, die sich gegen ein Software-Update ihres Motors wehren, sind verständlich. Doch es nützt nichts: Das Update ist verpflichtend. Gut 90 Prozent der Besitzer der im Jahr 2016 im Zuge des Dieselskandals zurückgerufenen VW sollen dieser Aufforderung gefolgt sein.

Das heißt aber auch, gut 200.000 haben sich dieser Aufforderung bislang widersetzt. Wenn sie nicht gerade gegen den Autobauer prozessieren, laufen diese Dieselbesitzer große Gefahr, dass ihr Auto durch die örtliche Zulassungsstelle zwangsweise stillgelegt wird. In einzelnen Fällen seien Verfügungen zur Stilllegung mit dem Argument widerrufen worden, dass der Betroffene gegen Volkswagen geklagt hat, wissen Anwälte zu berichten. Eine Garantie allerdings für die aufschiebende Wirkung gibt es nicht, heißt es in anderen Berichten.

Das Problem: Wer wiederum ein Software-Update draufspielen lässt, dem dürfte es hinterher schwer fallen, den von Volkswagen begangenen Betrug nachzuweisen - sagen Anwälte stellvertretend für widerspenstige Diesel-Fahrer, die nicht nur einen erhöhten Verbrauch oder größeren Verschleiß fürchten, sondern im Zweifelsfall Schadensersatz oder gar ein ganz neues Auto von Volkswagen verlangen.

München und Hamburg legen erste Diesel still

In München und Hamburg haben die Behörden nun zum ersten Mal Dieselautos mit manipulierter Abgas-Software aus dem Verkehr gezogen. Die Besitzer kamen nach Behördenangaben mehrfachen Aufforderungen zur Umrüstung nicht nach. In München wurde zunächst ein, in Hamburg zwei Wagen stillgelegt, teilten die Behörden mit.

Zuvor hatte die in München zuständige Zulassungsstelle die Stilllegung bei 41 VW- und Audi-Fahrzeugen angeordnet. Aus Nürnberg sind bislang 30 solche Anordnungen bekannt. Offenbar sind die Zulassungsstellen jetzt deutschlandweit angewiesen worden, Diesel-Autos ohne Software-Update aus dem Verkehr zu ziehen, wenn die Besitzer wiederholt der Aufforderung nicht nachkommen.

Laut verschiedenen Presseberichten werden die nicht umgerüsteten Fahrzeuge andernorts auch dann stillgelegt, wenn die Halter gegen Volkswagen klagen sollten. Für die Halter ist das doppelt bitter: Sie verlieren nicht nur ihr Auto zur Fortbewegung, sondern müssen dann auch die Kosten der Stilllegung berappen, die sich schnell auf bis zu 200 Euro belaufen können.

Und sie müssen einen privaten Stellplatz für ihr nicht nutzbares Auto finden. Auf öffentlichen Straßen und Parkplätzen jedenfalls darf der Wagen nicht stehen.

Die jetzt drohenden Stilllegungen betreffen zigtausende Dieselmotoren der Reihe "EA 189" des VW-Konzerns mit 1,4 und 2 Litern Hubraum aus den Baujahren 2009 bis 2014. In diesen Motoren ist die verbotene Manipulations-Software verbaut, die die Abgaswerte verfälschen kann. Ende vergangenen Jahres war für den Volkswagen-Pick-Up "Amarok" die Frist abgelaufen.

mit dpa

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