15.02.2018  Ex-Staatssekretär Werner Gatzer

Der wichtigste Geldbeschaffer der Deutschen Bahn

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Neuerdings für die Deutsche Bahn auf Sendung: Ex-Finanzstaatssekretär Werner Gatzer (Archivbild aus 2014).
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Neuerdings für die Deutsche Bahn auf Sendung: Ex-Finanzstaatssekretär Werner Gatzer (Archivbild aus 2014).

Im politischen Berlin bangen dieser Tage viele hochrangige Staatsdiener um ihren Posten. Doch ein paar tragende Mitglieder der alten Bundesregierung haben bereits einen guten Anschlussjob gefunden. Werner Gatzer (59, SPD) gehört eindeutig dazu. Der langjährige Finanzstaatssekretär arbeitet seit Jahresbeginn als Manager bei der Deutschen Bahn (DB). Mit einer offiziellen Aufgabe und einer, die als inoffizeiolle Mission zu vermuten ist.

Offiziell führt Gatzer die Bahn-Tochter DB Station & Service und ist damit gewissermaßen Vorsteher sämtlicher deutscher Bahnhöfe. Allerdings ist nicht bekannt, dass der gelernte Jurist über entsprechende Kenntnisse in modernem Immobilien- und Dienstleistungsmanagement verfügt. Auch erstaunt sein vergleichsweise reifes Alter, das ihm keine langfristige Agenda als Manager erlaubt.

Kenner vermuten daher einen anderen Hintergrund. Der erfahrene Haushaltspolitiker soll der Bahn wohl helfen, neue Geldquellen zu erschließen. Der Fall Gatzer steht für einen Trend bei der DB. Immer öfter greift die Politik nach der Bahn oder die Bahn nach der Politik - je nachdem, wie es passt. Damit ist die DB AG wieder auf dem Weg zu einer Behördenbahn - politischen Launen unterworfen, nah der Staatskasse und fern dem Leitbild eines schlagkräftigen Unternehmens. Welche unheilvollen Auswüchse und Folgen das hat, lesen Sie in der Titelgeschichte des neuen manager magazins: Staatszirkus Bahn - wie die Politik Deutschlands größten Verkehrskonzern beschädigt

Gatzer jedenfalls hat sein Geschick in der Geldbeschaffung schon bewiesen. So war der Jurist vor zwei Jahren in seiner Funktion als Staatssekretär maßgeblich daran beteiligt, die Deutsche Bahn mit einer Kapitalspritze und mit Dividendenerlass zu stützen:

öffentliche Wohltaten im Gesamtwert von 2,75 Milliarden Euro.

Bereits kurz nach dem Deal bemühte sich die Bahn für Gatzer, wie das manager magazin weiland exklusiv berichtete. Der Politbeamte äußerste sich damals ausweichend zu seinen Plänen. Und lief dann doch in den Zielbahnhof ein.

Ein lohnender Wechsel. Bei der Bahn verdient Gatzer schätzungsweise eine halbe Million Euro im Jahr, etwa doppelt so viel wie bisher.

Sein neuer Vorgesetzter ist ebenfalls ein ehemaliges Regierungsmitglied: Ronald Pofalla (58, CDU), einst Chef des Konzleramts, der heute als Konzernvorstand die Netzsparte der DB leitet.

Lesen Sie mehr über den "Staatszirkus Bahn - Wie die Politik Deutschlands größtes Verkehrsunternehmen beschädigt" in der Titelgeschichte des neuen manager magazins.

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