20.09.2017  Britischer Öko-Guru attackiert Kanzlerin

Angela Merkel ist laut "Guardian" die Umweltfeindin Nummer eins

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Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU): "Fatale Schwäche"
SINGER/ EPA/ REX/ Shutterstock
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU): "Fatale Schwäche"

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ist nicht mehr nur die Lieblingsfeindin der AfD. Etwas überraschend hat sie nun auch ein einflussreicher Öko-Kolumnist der britischen Zeitung "The Guardian" mit drastischen Worten kritisiert.

Merkel habe "von allen lebenden Personen am meisten getan, um die Natur und die Zukunft der Menschheit zu zerstören", behauptet Autor George Monbiot. Der Journalist hat sich als Analytiker, aber auch als Umweltaktivist einen Namen gemacht. Wellen schlug unter anderem ein Artikel im Jahr 2012, als Monbiot das Scheitern der "Peak-Oil"-Theorie beschrieb, nach der der Welt bald das Öl ausgehe.

Anlass für seine aktuelle Attacke: Merkel habe sich immer wieder als Gehilfin der Industrie angeboten, als diese Umweltgesetze in Brüssel und Berlin abzuschwächen suchte. Prägnantes Beispiel ist in dem Zusammenhang laut Monbiot die besondere Beziehung der Kanzlerin zur Autoindustrie. So intervenierte Merkel im Jahr 2013 erfolgreich in Brüssel, als die Mitgliedstaaten um neue Grenzwerte für den Ausstoß von Kohlendioxid rangen.

Ein Jahr später habe sie Warnungen der Europäischen Kommission vor hohen Abgaswerten aus Diesel-Motoren ignoriert - weit vor Bekanntwerden der Manipulationen durch Volkswagen und Co. im Zuge des Abgasskandals. Die Abgase hätten schließlich Tausende Menschenleben gekostet.

Merkels fataler Einsatz für Biokraftstoffe

Am schlimmsten aber sei Merkels Einsatz in Brüssel für Biokraftstoffe gewesen. Deren Beimischung sollte ab 2007 die Klimabilanz von Benzin und Diesel verbessern und andere, für die Industrie schmerzhaftere Regeln verhindern. In Wahrheit sei aber das Gegenteil geschehen, so Monbiot. Um die für den Treibstoff benötigten Pflanzen anzupflanzen, seien ganze Regenwälder in Indonesien abgeholzt und damit der Lebensraum für Oran-Utans, Tiger und andere Wildtiere zerstört worden. In Deutschland ist zudem eine flächendeckende "Vermaisung" zu beobachten, da Landwirte durch riesige Mais-Anbauflächen profitieren wollen.

Schließlich habe Merkel die Energiewende vermasselt, schreibt Monbiot. Um einen Kohleausstieg drücke sie sich und habe in Brüssel so viele Ausnahmen beim Emissionshandel durchgesetzt, dass dieser nahezu wirkungslos sei.

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Bösen Willen unterstellt der "Guardian"-Autor Merkel allerdings nicht, vielmehr habe sie sich aus Opportunitätsgründen den kurzfristigen Interessen der Wirtschaft gebeugt.

"Merkel hat eine fatale Schwäche", so der Kolumnist. "Immer wenn ein drängendes Problem gelöst werden muss, wägt sie ihre eigenen Überzeugungen gegen den politischen Vorteil ab - und entscheidet sich für diesen Vorteil."

Schwacher Trost für Merkel: Laut Monbiot sei es nahezu sicher, dass die Kanzlerin den wenig schmeichelhaften Titel des Umwelt-Dinos bald an einen anderen Politiker weitergeben werde: An den US-Präsidenten Donald Trump.

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