30.08.2017  Dieselkrise

Merkels Blankoscheck für Volkswagen, Daimler und Co

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Angela Merkel ist "enttäuscht" von der Autoindustrie, will ihr im Zuge des Abgas- und Dieselskandals aber auch keine Daumenschrauben anlegen
DPA
Angela Merkel ist "enttäuscht" von der Autoindustrie, will ihr im Zuge des Abgas- und Dieselskandals aber auch keine Daumenschrauben anlegen

Angela Merkel fordert die Autobosse auf, stärker an alternativen Antrieben zu arbeiten. Das war's dann auch schon, mehr will sie der deutschen Schlüsselindustrie nicht zumuten. Eine teure Hardware-Nachrüstung für Millionen Diesel-Autos oder gar ein Verbot von Verbrennungsmotoren müssen VW, Daimler und Co nach der Bundestagswahl nicht fürchten - macht die alte und neue Kanzlerin in spe deutlich.

Die deutschen Autobauer werden auch unter einer neuen, CDU-geführten Bundesregierung keine Hardware-Nachrüstung älterer Diesel-Motoren oder gar ein Verbot von Verbrennungsmotoren fürchten müssen. Das ließ Bundeskanzlerin Angela am Dienstagabend in Berlin durchblicken.

Die Kanzlerin forderte von der Autoindustrie zwar mehr Einsatz zur Lösung des Diesel- und Abgasproblems. Klar sei aber, dass Verbrennungsmotoren auf Jahre und Jahrzehnte noch eine Rolle spielen würden. Von einer Motor-Nachrüstung alter Diesel-Fahrzeuge halte sie wenig. Kosten und Nutzen dafür stünden in keinem vernünftigen Verhältnis, um den Status-quo deutlich zu verbessern, meinte die Kanzlerin.

Merkel verteidigt damit den Standpunkt der Autobauer, die zum Diesel-Gipfel Anfang August lediglich ein Software-Update für gut fünf Millionen Dieselautos versprochen haben, um deren Stickoxidausstoß etwas zu mindern. Eine Nachrüstung der Wagen mit neuer Motor-Hardware lehnen sie rundweg ab. Dies könnte die Autobauer bis zu 10 Milliarden Euro kosten.

Umweltexperten und einzelne Vertreter der Branche selbst betonen allerdings, dass lediglich eine Hardeware-Nachrüstung den Stickoxidausstoß nachhaltig reduzieren werde. Allein mit einem Software-Update der Dieselautos werde die Stickoxid-Konzentration in der Luft von Großstädten nicht auf die gesetzlichen Grenzwerte abgesenkt werden können. Diesel-Fahrzeugen drohten damit weiterhin Fahrverbote in deutschen Großstädten, sind Bundesumweltministerin Barbara Hendricks als auch andere Experten überzeugt.

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