20.03.2017  Rechtspopulisten deuten Studie von Arbeitgeber-Institut um

IW Köln wehrt sich gegen AfD-Stalking

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Beatrix von Storch
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Beatrix von Storch

Eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zur AfD hat deren Spitzenfrau Beatrix von Storch so erfreut, dass sich die Ökonomen zu einer Richtigstellung gezwungen sehen. Keinesfalls zutreffend sei der Eindruck, das arbeitgebernahe Institut habe den Rechtspopulisten eine Art ökonomischen Ritterschlag erteilt, ließ IW-Forscher Hubertus Barth wissen.

"AfD Programm ist nun wirklich nicht von wirtschaftlicher Vernunft geprägt", twitterte Barth. "Keine Basis, um sich auf @iw_koeln zu beziehen." Das Institut hatte die These aufgestellt, die AfD-Anhänger stammten aus der Mitte der Gesellschaft und dies mit Daten zur Einkommensstruktur und dem Bildungsgrad unterfüttert. Somit sei die AfD keine Partei der Abgehängten.

AfD-Vizechefin von Storch nahm den Ball dankbar auf und zog via Twitter ihre ganz eigenen Schlüsse: "AfD- die Partei der politischen Vernunft aus der Mitte der Gesellschaft. Jetzt amtlich bestätigt sozusagen." Motto - eine Partei mit demografisch durchschnittlicher Anhängerschaft hat automatisch vernünftige politische Ideen.

Tatsächlich gilt das wirtschaftspolitische Programm der Rechtspopulisten als vergleichsweise marktliberal. Das Arbeitslosengeld I soll privatisiert, die gesetzliche Unfallversicherung abgeschafft werden.

Die Lebensarbeitszeit will die AfD über das Alter von 67 Jahren hinaus verlängern. Im Steuersystem favorisiert die Partei ein Stufensystem, das tendenziell Gutverdienern nützt. Die Erbschaftssteuer soll wegfallen.

In manchen dieser Punkte steht die AfD dem IW recht nahe. Die größte Differenz gibt es bei der Zuwanderungspolitik. Die AfD will eine Netto-Auswanderung. Das IW plädiert für Zuwanderung, um junge Arbeitskräfte für die Wirtschaft zu gewinnen.

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