24.07.2018 
Hacker-Attacken auf US-Stromversorger nicht zu stoppen

"Sie könnten den Schalter umlegen"

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 "Sie könnten den Schalter umlegen": Hacker sollen mit der Infiltration von US-Energiekonzernen sehr weit gekommen sein
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"Sie könnten den Schalter umlegen": Hacker sollen mit der Infiltration von US-Energiekonzernen sehr weit gekommen sein

Russische Hacker attackieren und infiltrieren schon seit Jahren US-amerikanische Stromversorger. Doch gestoppt werden konnten sie bislang noch nicht, berichtet das "Wall Street Journal" (WSJ, kostenpflichtig) unter Berufung auf das amerikanische Heimatschutzministerium. Die Angreifer agierten mittlerweile so erfolgreich, dass sie theoretisch "den Schalter umlegen" und Stromausfälle hätten verursachen können, zitiert die Zeitung Jonathan Homer, einen Spezialisten für Industrieanlagen des Heimatschutzministeriums.

Offenbar sollen auch mehr Firmen betroffen sein als bislang gedacht: Statt von einigen Dutzend wie zu Beginn ist nun von "hunderten" betroffen Unternehmen die Rede. Namen der Versorgungsunternehmen oder Angaben zu ihrer Größe machte das Ministerium nicht. Viele Firmen wüssten womöglich noch gar nicht, dass sie einem Hacker-Angriff zum Opfer gefallen sind, da bei den Angriffen Anmeldeinformationen von tatsächlichen Mitarbeitern verwendet worden sein sollen.

"Sie führen einen verdeckten Krieg gegen den Westen"

Konkrete Stromausfälle oder Störversuche gab es bislang nicht. Experten rechnen dem Bericht zufolge aber damit: "Sie sind in unsere Netzwerke eingedrungen und positionieren sich für einen begrenzten oder weit verbreiteten Angriff", warnt Michael Carpenter. "Sie führen einen verdeckten Krieg gegen den Westen", zitiert das WSJ den ehemaligen stellvertretenden Verteidigungssekretär, der jetzt als Senior Director am Penn Biden Center der Universität von Pennsylvania arbeitet.

Bereits im März hatten die USA Hacker mit Verbindung zur russischen Regierung öffentlich beschuldigt, für die Attacken auf die Stromnetze verantwortlich zu sein. Die verdächtigte Gruppe ist unter dem Namen "Dragonfly" oder "Energetic Bear" bekannt. Russland dementierte stets.

Hacker sollen auf Umwegen über Zulieferer in die Netzwerke gelangt sein

Laut "Wall Street Journal" sollen die Angreifer über einen Umweg in die Netzwerke der Versorgungsunternehmen gelangt sein, indem sie erst kleinere Zulieferfirmen mit weniger strengen Sicherheitsvorkehrungen infiltrierten. Über sogenannte Phishing-Mails verleiteten sie die Beschäftigten dieser Firmen dazu, Passwörter auf gefälschten Websites einzugeben, um so in deren Unternehmensnetzwerke zu gelangen.

Das US-Heimatschutzministerium berichtet, das russische Hacker mittlerweile in die Computernetze von Hunderten Stromversorgern eingedrungen sein sollen
AP
Das US-Heimatschutzministerium berichtet, das russische Hacker mittlerweile in die Computernetze von Hunderten Stromversorgern eingedrungen sein sollen

Hier einmal eingedrungen, konzentrierten sie ihren Angriffe auf das eigentlich Ziel: die Versorgungsunternehmen. Dabei sei es laut Wall Street Journal in "vielen Fällen ein relativ einfacher Prozess" gewesen, Anmeldeinformationen von Anbietern zu stehlen und direkten Zugriff auf Versorgungsnetze zu erhalten. So hätten die Hacker zum Beispiel vertrauliche Informationen darüber gestohlen, wie Versorgungsnetze konfiguriert, welche Ausrüstung verwendet wurde und wie sie gesteuert werden.

Auch deutsche Stromkonzerne sind Ziel von Hackern

Mutmaßlich russische Hacker sollen auch deutsche Stromkonzerne immer öfter angreifen. So drangen Hacker nachweislich im vergangenen Jahr zum Beispiel in das Netz einer Tochter von EnBW ein. Es sei den Hackern aber nicht gelungen, auf Netze zuzugreifen, die die Energieversorgung regeln, berichtete die "Süddeutsche Zeitung". Der Angriff könnte aber der Beginn einer groß angelegten Hackerattacke gewesen sein.

Der bislang effektivste Angriff auf Stromnetze, den die Welt bislang gesehen hat, gelang an einem Dezember-Tag im Jahr 2016: Hacker waren in die Computersysteme gleich von mehreren ukrainischen Stromversorgern eingedrungen und hatten es geschafft, der Hauptstadt Kiew für Stunden den Strom abzudrehen.