09.10.2018 
Wirtschaftskrise in der Türkei

Erdogan bestellt Theologen als Wirtschaftsberater

Von
 "Wir helfen uns selbst": Recep Tayyip Erdogan, Präsident der Türkei
DPA
"Wir helfen uns selbst": Recep Tayyip Erdogan, Präsident der Türkei

2. Teil: 'Eine große Chance vertan" - Unternehmen sollen Preise "freiwillig" senken

"Große Chance vertan", kritisierte der Wirtschaftswissenschaftler Timothy Ash von BlueBay Asset Management etwa die Berufung von Theologieprofessor Servet Bayindir, der sich auf "Islamic Finance" spezialisiert haben soll.

Dabei verfüge die Türkei über einige "erstklassige Ökonomen und Banker". Auch hätten einige internationale Experten dem Ausschuss mit neuen Ideen mehr Glaubwürdigkeit verleihen können. Das werde derzeit dringend gebraucht, sagte Timothy Ash dem englischsprachigen Dienst der Nachrichtenagentur Reuters.

Erdogans Schwiegersohn ohne echten Plan gegen galoppierende Inflation

So ruhten am Dienstag die Hoffnungen auch auf Finanzminister Berat Albayrak. Der Minister und Schwiegersohn Erdogans wollte am Nachmittag eigentlich ein Programm zur Bekämpfung der hohen Inflation in seinem Land vorstellen. Allzu sehr ging er dabei mit seinen Vorschlägen nicht auf Konfrontationskurs zu seinem Schwiegervater. Dieser hatte schon seinen Vorschlag vom Tisch gewischt, die Berater von McKinsey in den Regierungspalast zu lassen.

Tatsächlich beschränkte sich dann Albayraks Vorstellung im Kern darauf, die Unternehmen aufzufordern, die Preise "freiwillig" um 10 Prozent zu senken. Dabei weiß der Minister den Präsidenten zweifelsfrei hinter sich.

Hatte Erdogan doch zuvor angekündigt, im Kampf gegen die hohe Inflation, die Unternehmen direkt zur Rechenschaft ziehen zu wollen und im gleichen Atemzug Strafen für "Opportunisten" angekündigt, die den drastischen Verfall der türkischen Lira zur Durchsetzung höherer Preise genutzt haben sollen.

Nun müssen nach einer umfangreichen Marktanalyse des türkischen Staates Hunderte Unternehmen gegenüber dem Handelsministerium steigende Preise für ihre Produkte oder Dienstleistungen ausführlich begründen.

Das alles habe mit einem Eingriff in die freie Marktwirtschaft selbstverständlich nichts zu tun, versicherte Ankara.

mit Reuters

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