29.09.2013 
Österreich

Wähler machen Wiener große Koalition klein

Technische Mehrheit: Kanzler Werner Faymann bei der Stimmabgabe in Wien
DPA
Technische Mehrheit: Kanzler Werner Faymann bei der Stimmabgabe in Wien

Das Ergebnis werden die Berliner Parteistrategen vor ihrer Regierungsbildung berücksichtigen: Nach jahrelanger Gewöhnung an die große Koalition haben Österreichs Großparteien SPÖ und ÖVP zusammen gerade noch 50 Prozent der Stimmen. Im Nationalrat sitzen zwei neue Parteien.

Wien - Österreichs Regierungsparteien SPÖ und ÖVP haben die Parlamentswahl am Sonntag gewonnen und können nach ersten Hochrechnungen kurz nach Schließung der Wahllokale um 17 Uhr ihre große Koalition voraussichtlich fortsetzen. Die Sozialdemokraten (SPÖ) von Kanzler Werner Faymann errangen den Hochrechnungen zufolge bei dem Urnengang 26,4 Prozent der Stimmen, ihr konservativer Bündnispartner ÖVP (Österreichische Volkspartei) kam demnach auf 23,8 Prozent.

Beide Parteien unterboten also ihren 2008 erreichten historischen Tiefstand nochmals deutlich. Die große Koalition unter Führung der Sozialdemokraten regiert seit 2006 in Wien. Zuvor hatten SPÖ und ÖVP bereits für den Großteil der Nachkriegsgeschichte gemeinsam regiert. Die Wahlbeteiligung rutschte mit 66 Prozent laut Österreichischem Rundfunk ebenfalls erneut deutlich ab.

Die rechtspopulistische Freiheitliche Partei Österreichs (FPÖ) wurde laut Hochrechnungen mit einem Stimmenanteil von 22,4 Prozent drittstärkste Kraft, nur knapp hinter der ÖVP. Das von der FPÖ 2005 abgespaltene Bündnis Zukunft Österreich (BZÖ) flog mit 3,7 Prozent laut der Hochrechnung aus dem Parlament. In Österreich gilt eine 4-Prozent-Hürde.

Als neue Kräfte präsentierten sich die Liste Frank Stronach, die mit 6 Prozent aber deutlich unter den Erwartungen des 81-jährigen austrokanadischen Milliardärs blieb, dessen Ruhm auf die Gründung des Weltkonzerns Magna zurückgeht, dessen politisches Programm aber abgesehen von seiner Euro-Skepsis diffus ist, und die liberale Partei Neos mit 4,7 Prozent.

Die Grünen, die sich als Anti-Korruptions-Partei in der von zahlreichen Skandalen geprägten Wahlperiode profilierten, gewannen nur leicht auf 11,2 Prozent. Vor der Wahl zum Nationalrat war auch nicht ausgeschlossen worden, dass Rot-Schwarz eine absolute Mehrheit verfehlen würde und sich für die nächsten fünf Jahre erstmals einen dritten Bündnispartner suchen müsste.

Die Regierungsparteien konnten damit punkten, dass in Österreich mit einer Arbeitslosenquote von 4,8 Prozent praktisch Vollbeschäftigung herrscht.

ak/afp

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